Einsatz Virtueller Welten in der Lehre

Ich habe heute den sehr interessanten Vortrag  von Prof. Dr. Christoph Lettemann besucht. Prof. Lattemann hat sich mit der Nutzung des Second Life in der Lehre beschäftig. Im Rahmen des Vortrags wurden grob die Eckdaten über Second Life sowie die Möglichkeiten der Lehre in virtuellen Welten. Dann ging Prof. Lattemann auf konkrete Beispiele ein. Die Beispiele und Erfahrungen waren für mich besonders interessant. Prof. Lattemann forscht auch intensiv in diesem Bereich. Der Vortrag war eine Anregung zu einer intensiveren Beschäftigung mit virtuellen Welten in der Lehre.

Zum Anfang des Vortrags macht er eine kurze Einführung zu virtuellen Welten, insbesondere Second Life. Die Uni Potsdam ist bei Second Life repräsentiert. Man kann dort Veranstaltungen verfolgen oder spezielle Werkzeuge benutzen.

Prof. Lattemann hat im 2007 eine Untersuchung zur Nutzung von Second Life durchgeführt um zu überprüfen, ob Second Life für die Lehre geeignet ist. Von den etwa 250 Befragten SL Nutzern haben über 80% angegeben, dass sie SL benutzen um virtuelle Plätze zu besuchen und über 60% nutzen SL zum Lernen. Mehr als 80% haben die Nutzung fürs Lernen befürwortet. Etwa 70% finden, dass SL nützlich für Kollaboration/Kommunikation ist. Für die Untersuchung der Technologieakzeptanz wurde weiterhin das TAM-Modell benutzt.

Es ist ein bekanntes Problem, dass die traditionelle elektronische Kommunikation zur Beschneidung der non-verbalen Kommunikation führt. Dies wird jedoch durch die Möglichkeiten des SL 3D-Welt zu einem – laut Prof. Lattemann erstaunlich großen – Teil aufgehoben.

Man kann die Potenziale der virtuellen Welten am Besten benutzen, wenn man die Veranstaltungen anbietet, die die Immersions- und Interaktionsmöglichkeiten der virtuellen Welten intensiv benutzen. Dies passiert bei virtuellen Rollenspielen und Fallstudien. Oft werden aber eher „klassische“ Lehrformen (Vorlesungen) angeboten.

Nach dieser Einführung geht Prof. Lattemann näher auf konkrete Beispiele des Distance Learning in den virtuellen Welten ein. SL wird von Prof. Lattemann seit dem WS 07/08 zur Lehre genutzt. Es sind bisher drei Veranstaltungen mit je ca. 20 Studenten. Bisher gibt es eine sehr positive Rückmeldung. Die Studenten werden auch immer angehalten, sich mit der SL-Erfahrung auseinander zu setzen z.B. im Blog oder im Wiki.

Prof. Lattemann hat eine explorative Studie zu der Nutzung von SL von deutschen Universitäten (18 Unis). Die in SL vertretenen Universitäten sind meistens in den Bereichen Erziehungswissenschaften, Informatik und Wirtschaftswissenschaften tätig. Die Universitäten nutzen SL hauptsächlich als Lehr-/Lern- und Forschungsplattform. In der Regel sind die Unis noch dabei, die Eignung von SL zu erforschen. Prof. Lattemann nennt drei Projekte als Best Practice Beispiele (Jura, Biotechnologie, Englische Mittelalter-Literatur).

Diskussion:

  • Die Nutzung von SL ist mit Kosten verbunden (ca. 1000€ einmalig + monatlich 100€).
  • Die Akzeptanz der Nutzer (Biotechnologen) ist problematisch.
  • Die „Verfolgung“ der Nutzer im SL ist nur bedingt möglich (Anwesendheit).
  • Der Einsatz von SL in internationaler Lehre könnte durch fehlende ausreichende Technologien behindert sein. Für die Nutzung braucht man Rechner mit einer guter Grafikkarte und Breit-Band Internetzugang.
  • Vergleich von Lehrerfolgen im SL und ohne SL wurde bisher nicht durchgeführt. Ist auch schwer durchzuführen.
  • SL ist nicht für alle Lernformen geeignet. Hier wird eher Handlungorientiertes Lernen unterstütz. Es wäre weniger für z.B. abstrakte Konstrunkte geeignet.
  • SL bietet keine Content Management möglichkeiten. Deshalb ist die Verbindung mit anderen textbasierten Web 2.0 Platformen (Blogs, Wikis) sinnvoll.
  • SL ist keine Lernplatform – es ist keine Kommunikationsplatform. Das muss man bei der Planung von virtueller Vernanstaltungen berücksichtigen und geeignete Abhilfen für die Probleme schaffen.
  • SL hat durchaus noch technische Probleme (z.B. mehr als 50 Nutzer an einer Inseln bringen das Program zum Absturz).
  • Prof. Lattemann glaubt nicht, dass der Einsatz von SL in universitärer Lehre vollkommene Zukunftsmusik ist (obwohl SL wohl nicht lamgfristig die richtige Plattform ist). Er geht davon aus, dass wir in 5-6 Jahren die 3D-Abbildung des Webs erleben werden.

Die Folien werden demnächst im Archivbereich beim Medienzentrum zur Verfügung stehen.

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