Open Access

Bereits seit längerem beschäftige ich mich mit dem Thema Open Access. Oder besser gesagt, ich beschäftige mich leider viel zu viel mit Publikationen ohne Open Access. Denn um diese zu finden, muss ich oft viel bis sehr viel Aufwand betreiben und manchmal auch ohne Erfolg. Ich schätze allen Wissenschaftlern geht es da ähnlich und insbesondere unsere Studenten leiden oft sehr unter der fehlenden Erreichbarkeit von wissenschaftlichen Publikationen. Für alle interessierten habe ich hier einige Grundinformationen über Open Access zusammengetragen.

Die Open Access Initiative geht auf ein Treffen in Budapest in 2002 zurück. Das Ziel von Open Access soll sein, „dass Zeitschriftenbeiträge, die das Peer-Review durchlaufen haben, weltweit elektronisch zugänglich gemacht werden können – kostenfrei und ohne Zugangsbeschränkungen für Forschende, Lehrende und Studierende und für alle anderen, die an den Ergebnissen der Wissenschaft interessiert sind“. Als Grund für die Initiative werden die Beschleunigung der Forschung, Abbau von Unterschieden zwischen armen und reichern Forschern und schnelle Verteilung von neuem Wissen genannt.

Open Access soll entweder über Open Access Journals („Golden Road“) oder Selbst-Archivierung der Autoren erreicht werden („Green Road“) (Bernius & Hanauske, 2007, S. 457). Während die Open Access Journal zurzeit noch nach geeigneten Finanzierungsmodellen suchen, ist Selbst-Archivierung für die Autoren oft im Rahmen der Angebote der Universitätsbibliotheken kostenlos (Bernius & Hanauske, 2007, S. 457 – 458). Auch die SLUB bietet die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Arbeiten über Quocosa. An unserem Lehrstuhl ist die Veröffentlichung der Diplomarbeiten sowie erlaubten Publikationen über dieser Server auch angedacht.

Seit dem Initialaufruf aus Budapest sind jetzt 6 Jahre vergangen. Wie steht es um Open Access jetzt? Einen netten überblick, aufgeschlüsselt nach Fachdiszipilnen bietet die Informationsplattform Open Access. Hier kann man sehen, dass die Informatik bereits fleißig Open Access betreibt, während die Wirtschaftswissenschaften hier noch deutlich hinterher hängen. Wie steht es aber um die Wirtschaftsinformatik? Auch hier gibt es bisher eher wenige Erfolge. Open Access Journals gibt es bisher wenige. Und Konferenzen – die in der Wirtschaftsinformatik eine wichtigere Rolle spielen als in anderen Disziplinen – bieten oft einen sehr begrenzten oder gar keinen Zugang zu den Beiträgen (Bernius & Hanauske, 2007, S. 458 – 459). Bei Selbst-Archivierung liegt vielleicht die Schwierigkeit auch in der Zuordnung der Disziplin: Sollen sich die Wirtschaftsinformatiker den Informatikern anschließen oder doch in den Datenbanken der Wirtschaftswissenschaften publizieren?

Eine neuartigen Ansatz bitet das NAJEcon. NAJEcon steht für „Not a Journal of Economics“. Hier handelt es sich um keinen Journal, man kann also seine Arbeit nicht einreichen. Die freiwilligen Herausgeben schauen sich im Internet frei zugängliche, nicht-publizierte wissenschaftliche Arbeiten an und suchen die interessantesten Beiträge aus. Für diese schreiben Sie einen Review und verlinken sie. Die Idee: Der Autor gewährleistet durch die öffentliche Bereitstellunge des Dokuments die Punlikation, NAJEcon liefert das Peer Review.

Peer Review + Publication = Peer Reviewed Publication.

Wäre das vielleicht auch ein Modell für die Wirtschaftsinformatik? Schließlich wird ja immer wieder darauf hingewiesen, wie schnell verändernde Disziplin Wirtschaftsinformatik ist und wie wichtig ist es daher, Forschungsergebnisse innerhalb kürzester Zeit an den man zu bringen. Peer Reviewed Working Papers sind hier vielleicht gerade der richtige Ansatz. Jemand Lust auf ein Projektantrag? Als Motivation: Open Access Initiative wird manchmal auch belohnt.

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Ein Gedanke zu „Open Access“

  1. Das Verfahren NAJEcon erscheint mir etwas willkürlich. Obwohl es sicherlich Perlen hervorbringt, ist die Themenbreite doch immer sehr auf das Gebiet der Reviewer beschränkt. Ich unterstelle, dass ohne Anlass kein Reviewer ständig in neue Gebiete vorstößt. Eine Ausweitung des Review-Kollegiums, kann m. E. n. auch nur zu Qualitätsproblemen führen.
    Mir scheint, dass nur ein System Wikipedia zum Erfolg führen kann: Reviewer arbeiten ehrenamtlich – für die Sache – und publizieren in einem Open Access Journal.

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