Sieben Todsünden des Präsentierens

Ich möchte an Hendriks „Bestviewing“ Post über die Verteidigung einer Diplomarbeit anknüpfen. Wie der Blog-Statistik zu entnehmen ist, gibt es in diesem Bereich durchaus noch Bedarf an Tipps. Heute möchte ich einen Katalog mit Fehlern vorstellen, die bei Präsentationen auftreten. Es gibt auf jeden Fall noch weitere Fehler, aber diese sind aus meiner Sicht die schlimmsten:

1. Mangelnder oder gar falscher Einsatz der Körpersprache

Unglaublich aber wahr: Jan redet nicht mit seinem Publikum, sondern mit den Folien an der Wand! Es ist erschreckend, wie häufig dieser Fehler auftritt und das nicht nur bei Studentischen Vorträgen. Dabei fing das ganz unschuldig an. Jan drehte sich um und möchte etwas an der Folie zeigen. Dann kann er sich aber scheinbar von dem Anblick seiner herrlichen Folien nicht mehr wegreißen und starrt bei jeder neuen Folie wieder an die Wand. Manchmal kann man es ihm richtig ansehen, dass er nervös ist, wenn er sich die Folie nicht anschaut. Dabei hat er die Präsentation auf dem Rechner direkt von seiner Nase!

Körpersprache ist ein wichtiges Kommunikationsmittel. Es sollte nicht unterschätzt werden. Und es kann auch eingeübt werden. Probleme mit Körpersprache deuten oft auf mangelnde Vorbereitung hin. Denn wenn jemand den Vortrag mehrmals durchgesprochen hat, muss er nicht mehr ängstlich seine Folien anschauen. Außerdem kann er sich das „an die Wand starren“ gezielt abgewöhnen.

2. Zu viele Spezialeffekte

Das hat wohl jeder schon gesehen: Jede neue Folie von Lara erscheint auf dem Bildschirm, aber nicht einfach so, sondern sie zoomed von links herein und das mit entsprechendem Sound. Aber Wunder über Wunder – die Folie ist ganz leer. Erst der Klick von Jana zaubert die erste Zeile hervor und dann die nächste und die nächste – klick, klick klick. Auch die Zeilen sind toll animiert: jede Buchstabe erscheint einzeln als wäre die Zeile von einer Geisterhand gerade getippt. Und natürlich auch hier hört man im Hintergrund das klappern einer Schreibmaschine. Idealerweise ist eine solche Präsentation gepaart mit grellen Farben. Brrrr!

Es ist wirklich toll, was PowerPoint, Impress und Key Note alles können. Aber weniger ist hier wirklich mehr. Eine derart überladene Präsentation zeugt kaum über die Präsentationskünste der Erstellerin. Natürlich kann man einzelne Animationen zur Hervorhebung o.ä. verwenden. Es sollte aber eine Ausnahme bleiben.

3. Zu viel

Zu viel Inhalt, zu viele Folien! Und das ganze noch mit einer fetten Zeitüberschreitung dazu. Wenn man bei einem 10-minütigen Vortrag sieht, das Alex 25 Folien mitgebracht hat, wird einem schon Bange. Und dann noch Folien die dicht mit Text gefüllt sind, damit er so viel wie möglich dem Publikum mitteilen kann.

Selbst wenn die Folien nicht so voll sind, darf man nicht vergessen, dass eine Präsentation nicht zu einer Hetzjagd werden soll. Mindestens eine Minute lang sollte schon jede Folie aufliegen. Wenn dies nicht der Fall ist, muss man sich wirklich Fragen, welchen Sinn diese Folie hat. Denn so schnell kann doch niemand den Inhalt aufnehmen. Ähnliches gilt auch für zu volle Folien: Man kann doch nicht erwarten, dass die Zuhörer gleichzeitig Lesen und Zuhören können.

4. Ablesen der Inhalte

Kathrin hat viel Mühe in die Vorbereitung der Folien gesteckt und diese fleißig mit langen Zitaten, Ausschnitten aus Büchern und meterlangen Aufzählungen gefüllt. Da kann es schnell passieren, dass ihr kein Inhalt mehr für die Präsentation übrig bleibt. Alles sagen die Folien bereits. Naja, dann sagt sie es eben noch einmal. Wenn man Glück hat, dann mit etwas anderen Worten, wenn nicht, liest sie es mehr oder weniger ab.

Wie es Wendy Russel so schön ausgedrückt hat: Du machst die Präsentation, nicht Deine Folien. Die Folien sollen die Präsentation nur unterstützen. Man sollte auch die Funktion der Folien nicht mit den Notizzetteln verwechseln. Also nicht die Inhalte auf die Folien legen, damit man nicht vergisst sie zu erzählen.

5. Mangelnder Fokus auf das Zielpublikum

Man stelle sich eine Zwischenpräsentation im Projektseminar vor. Michael, Anne und  Sandra sollen den Stand der Projekte präsentieren und sich Feedback einholen. Sie geben sich richtig Mühe, aber am Ende meldet sich kaum jemand mit Fragen oder Kritik. Nur die Dozenten überlegen sich schnell einige Pflichtfragen. Kein Wunder: denn außer dem Betreuer und den eigenen Teammitgliedern hat niemand das Anliegen verstanden. Den „Uneingeweihten“ fehlt nämlich der ganze Kontext und die Vortragenden haben es nicht gemerkt, weil sie so vertieft in die eigene Probleme sind.

Dr. Joseph Sommerville redet von dem „Me and We Paradigm“, ich benutze in diesem Zusammenhang gerne den Begriff „Zielgruppenorientierung“. Natürlich ist es schwer bei einer Präsentation nicht über sich zu reden. Schließlich präsentierst Du ja Deine Arbeit, Dein Projekt, Deine Idee. Aber damit das Publikum dein Anliegen versteht, musst Du von Deiner Arbeit eben etwas Abstand nehmen. Vor jedem Vortrag solltest Du eine kleine Zielgruppenanalyse durchführen und dir dann die Ziele des Vortrags klar machen. Dann fällt dir die Gestaltung der Präsentation bestimmt leichter.

6. Zu hohe Erwartungen an die Technik

Lukas hat seine Folien im PowerPoint 2007 erstellt und diese ordnungsgemäß in dem neuen PPTX-Format abgespeichert. Da er davon ausgeht, dass ihm ein Presenter zur Verfügung gestellt wird, hat er mehr Animationen als sonst eingebaut. Als Lukas jedoch ankommt, stellt er fest, dass der Präsentationsrechner, den er zu nutzen hat, mit seiner Datei nichts anfangen kann. Er wandelt sie beim Kommilitonen um, aber irgendwie geraten dabei die Formate durcheinander. Presenter gibt es leider auch nicht. „Das hätten Sie früher sagen sollen. Außerdem sind sowieso die Akkus leer.“ Der sichtlich verärgerte und nervöse Lukas wird am Ende nur dadurch vertröstet, dass bei seiner Nachfolgerin die Präsentationsdatei irgendwie ganz kaputt ist und sie gezwungen wird, mit Hilfe von Tafel und Kreide zu präsentieren. Also hätte es immerhin noch schlimmer kommen können.

Technische Pannen passieren regelmäßig. Unangenehmen Überraschungen kannst Du teilweise vorbeugen, wenn Du Dich vorher gut informierst. Wo wird präsentiert? Welche Hard- und Software steht zur Verfügung? Welche andere Präsentationsmöglichkeiten (Overhead, Tafel) stehen im Notfall noch zur Verfügung? Aber selbst wenn Du dich informiert hast, kannst Du nicht vermeiden, dass Dein USB-Stick den Geist aufgibt, dass es einen Stromausfall gibt, dass der Raum doch nicht zur Verfügung steht usw. Daher solltest Du dir vorher Notfall-Strategien überlegen. Bei einem wichtigen Vortrag kannst du dir Overhead-Folien zusätzlich drucken oder einen Handout mit Deinen Folien vorbereiten. Bei kleineren Vorträgen solltest Du Dich zumindest gedanklich auf mögliche technische Probleme vorbereiten. Und wenn dann doch eine Folie aus deiner Präsentation verschwunden ist, bitte auf keinen Fall Ausrufe wie „Scheiße, wo ist das jetzt hin!“. Versuche ruhig zu bleiben und improvisiere.

7. Unfähigkeit, Kritik zu akzeptieren

Vielen Studenten ergeht es wie Stella. Sie arbeiten hart und engagiert an ihren Projekten, sie geben ihr Bestes. Als Stella ihre Diplomarbeit schrieb, hat sie die halbe Bibliothek verschlungen und eine Menge Geld in die Fernleihe bei Subito investiert. Sie hat sich regelmäßig mit ihren Kommilitonen getroffen und einen Schreibkurs absolviert. Als die Zwischenpräsentation kam, hat sie sich gut vorbereitet und wartete auf die Reaktion der Dozenten. Doch diese erwiesen sich als sehr kritisch. Sie warfen Stella vor, sie habe ihr Thema nicht ausreichen abgegrenzt und schweife daher ab. Außerdem sei sie schon Meilen entfernt von ihrer eigenen Disziplin. Über den Tellerrand schauen ist wichtig, aber so würde sie die wirtschaftswissenschaftlichen Fragen nie beantworten. Außerdem habe Sie bereits 40 Seiten zu den Grundlagen geschrieben. Da bliebe zu wenig übrig für den Hauptteil. Stelle versuchte verzweifelt ihr Vorgehen zu verteidigen. Dann wurde sie wütend. Sie nahm kaum etwas von der Kritik mit und hat seitdem mit ihrem Betreuer kein Wort mehr gewechselt.

In Präsentationen wirst Du oft das erste mal Feedback zu deiner Arbeit in einer größeren Runde bekommen. Oft wird dieser Feedback sehr kritisch sein. Dabei versuchen dir die Zuhörer in der Regel aber nicht zu zeigen, dass sie mehr Ahnung haben, sondern sie möchten dir wirklich helfen. Nimm die Kritik also auch so an – als Hilfestellung. Gebe nicht der Versuchung nach, deine Meinung um jeden Preis zu verteidigen – das gilt vor allem bei Zwischenpräsentationen. Aber auch bei einer Verteidigung darfst du auf keinen Fall deine Beherrschung verlieren. Schreibe dir alle Anmerkungen und Kritik auf und lese sie später mit kühlem Kopf durch. Du wirst überrascht sein, wie sehr Dir eine derart „unfaire“ Kritik doch helfen kann.


Weitere Tipps zum Präsentieren

Mehr zu den „echten“ Totsünden sowie zu Tugenden auf deadlysins.com.

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6 Gedanken zu „Sieben Todsünden des Präsentierens“

  1. Bei Punkt 3 bin ich gar nicht deiner Meinung! Eine moderne Präsentation beinhaltet mehrere Folien mit jeweils einem Bild und max. einem Satz. Und bring die Zuhörere ab und zu zum lachen, das lockert die Stimmung. Ich habe schon sooo viele Präsentationen gehalten, ich weiss von was ich spreche…

  2. Vielen Dank an Helena und Hendrik für die hilfreichen, tollen Tipps und Anregungen.
    Meine Verteidigung zum Dipl.-Ing. ET ist am 14.09. und dank euch wird das bestimmt nochmal besser.

    Mit freundlichen Grüßen

    Felix

  3. Ich wurde gebeten auf eine zusätzliche „Sünde“ hinzuweisen:
    Bitte verzichte vor der Präsentation auf Alkohol. Dies gilt sowohl für den „Muttrunk“ – der zu sehr unangenehmen Nebenwirkungen führen kann – als auch für den Restalkohol von der Party am Tag davor. Denn rote Augen, mangelnde Artikulation und Fahne die dem Publikum Tränen in die Augen treibt sind kaum Voraussetzungen für ein gutes Präsentationsergebnis.

  4. Wer sich mal ein paar Anregungen für gute Vorträge holen möchte, wird sicherlich auf der Seite http://www.ted.org/ fündig. Insbesondere fand ich interessant dabei zu beobachten, wieviel das richtige Tempo ausmacht (lieber mal eine Pause im Vortrag machen und dem Zuhörer Zeit zum Mitdenken geben) und wie man einen Vortrag durch einen Scherz oder ähnliches auflockern kann.

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