Vortrag von Dr. Mißbach beim CoUNSel-Stammtisch am 25.02.2009

Dr. Peter Mißbach
Dr. Peter Mißbach

Am 25.02.2009 um 18:30 fand ein Vortrag von Dr. Peter Mißbach, dem Geschäftsleiter der media project AG, zum Thema „Erfahrungen der media project Gruppe im Bereich e-Learning vom CBT zum informellen Lernen“ statt. Der Veranstaltung gehört zu der Vortragsreihe im Rahmen eines Stammtisches des CoUNSeL e.V.

Dr. Peter Mißbach, berichtete über seine Praxiserfahrungen aus dem Bereich eLearning . Dabei handelte es sich um keinen wissenschaftlichen Vortrag, sondern um ein Praxisbericht, gegliedert nach der zeitlichen Entwicklung der Tätigkeiten von media project AG. Wie aus seiner Vorstellung ersichtlich war, hat Dr. Mißbach nahezu 15 Jahre Erfahrungen mit dem Einsatz von Multimedia zu Bildungszwecken. Die media project AG betreut eine vielzahl von Projekten. Zu den Referenzkunden zählen z.B. Müller Milch, STRABAG, DIU, AMD, der Freistast Sachsen sowie die Stadt Dresden. Interessant fand ich, dass die media project AG mittlerweile alle Bildungsangebote ausschließlich in direkter Zusammenarbeit mit den Kunden entwicklet.

Zwischen 1992 und 1998 gab es erste Bestrebungen IKT zu Bildungszwecken einzusetzen. Die technischen Möglichkeiten war im Vergleich zu heute begrenzt, aber dennoch war schon einiges möglich. Es wurden die ersten CBT-Einheiten entwickelt oder Simulationen zu Management-Weiterbildung eingesetzt. Diese Periode war durch eine große Euphorie gekennzeichnet. Als Beispiel präsentierte Dr. Mißbach eine Dokumentations-CD einer Siemens-Tagung. Ich gebe zu, ich war durchaus beeindruckt – sicher könnte man sowas heute schöner gestalten, aber von den Funktionalitäten und Ansätzen sowie dem professionellem Niveau, könnte man von dieser „Reliquie“ einiges lernen.

Zwischen 1998 und 2001 kam es zu einer schnellen Entwicklung der Technologie. project media AG führte zu dieser Zeit ein europäisch gefördertes Projekt durch, das auf die Weiterbildung für konkrete Software-Lösungen in Ingenieurbüros und Werbeagenturen fokussierte. Die multimedialen Lernarrangements waren als blended learning konzipiert (also kein reines selbstgesteuretes Lernen). Für selbstgesteuertes Lernen wurde eine „Selbstlernzentrum“ zur Verfügung gestellt, weil es damals noch nicht selbstverständlich war, dass jeder zu Hause entsprechende Technik hat. Letzten Endes hing – laut der Erfahrungen von Dr. Mißbach – der Lernerfolg von der (intrinsischen) Motivation der Lernenden. Zusätzliche (extrinsische) Motivation kann durch Lernerfolgskontrollen angestoßen werden. Auch die Akzeptanz von elektronischen Lernmedien spielt eine entscheidende Rolle. Am Ende erwies sich das vorgestellte. Konzept jedoch als nicht wirtschaftlich, z.B. wegen schneller Entwicklungszyklen (und daher der geforderten Anpassungen) der gelernten Software. Indiesem Abschnitt der Vortrags fand ich mhrere interessante Idee. Zum Beispiel erwarten wir heutzutage (z.B. von unseren Studenten), dass jeder ein Rechner zu Hause hat und daher auch  jeder Zeit zu Hause lernen kann. Interessante Frage finde ich an dieser Stelle, ob unsere Studierenden oder auch Mitarbeit im Unternehmen nicht eher von einem abgeschirmten „Lernraum“ profitieren würden, wo sie ohne Ablenkung arbeiten können (das gilt auch für alle hoch-evolvierten Multi-Tasking-Fähige Digital Natives). Auch der Hinweis auf Motivation und Akzeptanz macht deutlich, dass der Lernende (zu mindest ab dem Niveau der Hochschulbildung und Weiterbildung) eine wesentliche Verantwortung für den Lernerfolg trägt. Als Lehrende können wir ihn unterstützen und ihn „den Weg ebnen“, aber am Ende muss er ihn selbser gehen.

In 2000 wurde das Projekt „Wirtschaftsfernsehen Sachsen“ angestoßen. Hierbei sollten die Erfahrungen sowie die technischen Möglichkeiten der media project AG auch außerhalb des reinen Bildungsbereichs genutzt werden. Als Informationskanal wurde ganz klar das Internet gewählt. Das Wirtschaftsfernsehen bietet etwa 5 Beiträge am Tag, z.B. Magazinbeiträge, News, Firemenkurzfilme. In das Wirtschaftsfernsehen ist auch eine Bildungsplattform auf Basis von ILIAS integriert, das seit dem als die zentrale Plattform für weitere Bildungsprojekte der media project AG dient. Das Wirtschaftsfernsehen wird über Werbebanner, Auftragsproduktionen, Workshops mit Unternehmen sowie über Beiträge von Premiumkunden finanziert. Allerdings trägt sich das Wirtschaftsfernsehen nicht selbst – dafür bietet es vielfaltige Kontaktmöglichkeiten. Im Internet frei verfügbare Inhalte von media project werden ähnlich einer CreativeCommons Lizenz angeboten: sie dürfen also weiterverwendet werden, solange die Autoren referenziert werden. Als Marketing-Kanal finde ich diese Idee sehr gut. Zumal eine „light“ Umsetzung heutzutage problemlos z.B. über youTube möglich wäre. Voraussetzung ist allerdings vorhandene Infrastruktur sowie leichter Zugriff auf mögliche Inhalte. Auch im Bereich der Nutzung von „user-generated content“ kann mir hier einiges vorstellen.

Seit 2007 entwickelte die media project AG zusammen mit der DIU das Projekt „Ready for the Job„. Das Ziel des Projekts ist die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen für Hochschulabsolventen. Denn scheinbar fehlen vielen Absolventen soziale Kompetenzen, Teamfähigkeit, praktisch Methodenkompetenzen (insbesondere Projektmanagement). Das Projekt ist bei der Zielgruppe sehr gut angekommen. Das gesamte Konzept wird im Internet abgewickelt. Das ist möglich, weil die Zielgruppe hohe Affinität gegenüber diesem Medium hat. Zurzeit werden hier verstärkt auch Web 2.0 Technologien eingesetzt, auch auf Nachfrage der Teilnehmer. Hierdurch soll eine bessere Kommunikation (auch langfristig) mit den Teilnehmern ermöglicht sowie mehr „Mitmach-Möglichkeiten“ geschaffen werden.  Übrigens ist kollaboratives Arbeiten/Lernen nicht im Fokus von media project AG.

In anschließender Diskussion klang eine Frage an, die bereits von Hendrik verfolgt wurde: Geht eLearning verstärkt in Richtung informelles Lernen? Und wo ist die Grenze zwischen informellen Lernen und täglicher Informationssuche. Formelles eLearning wird laut Dr. Mißbach eigentlich nur in großen Unternehmen eingesetzt. KMU werden sich in der Zukunft eher mit informellen Lernprozessen auseinander setzten (müssen). Die neuen technischen Möglichkeiten und die Entwicklung des Internet bieten KMU auch weitere neue Möglichkeiten (z.B MIS).

Besonders interessant war das klare Bekenntnis von Dr. Mißbach zu blended learning. Oder noch besser gesagt, zur Nicht-Nutzung von eLearning. Beispielsweise Sprachkurse werden ohne jegliches eLearning angeboten. Ich danke hier ganz konkret an Claudias Forschungsthema über gezielten (!) Einsatz von eLearning zur Förderung von Handlungskompetenzen. Hier sollten wir auch etwas lernen: es ist vieles mit eLearning möglich, aber ist wirklich alles sinnvoll? Und ist es für die konkrete Zielgruppe sinnvoll? Wir in der Forschung haben natürlich durchaus den Auftrag, verschieden (auch unwirtshcfatliche) Alternativen zu untersuchen und auszuprobieren. Wenn es aber zu praktischer Anwendung (z.B. regelmäßige Anwendung in der Lehre), sollten wir auch versuchen, von der Praxis zu lernen.

Zusammenfassend war es ein sehr interessanter Vortrag. Es zeigte auch klar, dass man mit gezieltem Einsatz von eLearning auch in der Praxis erfolgreich sein kann. Und wie schon ober angemerkt – es gibt Felder, wo der größte Forscher an einer Universität von der Praxis lernen kann und sollte. Für diese Anregungen, vielen Dank an Dr. Mißbach!

Advertisements

6 Gedanken zu „Vortrag von Dr. Mißbach beim CoUNSel-Stammtisch am 25.02.2009“

    1. Hi Mara,

      kannst Du Deine Frage etwas konkretisieren? So wissen wir leider nicht, von was Du den Nutzen nicht verstehst (eLearning? Blended Learning? eLearning in der Praxis? COUNSEL-Stammtisch? usw.).
      Eventuell schreibst Du auch etwas Kontext zu Dir, dann lässt sich die Antwort einfacher an einem Beispiel verdeutlichen.

      Viele Grüße,
      Hendrik

  1. Interessant fand ich auch die Anmerkung, dass in den Schulungen die Teilnehmer oftmals einen Großteil von ihrem Nachbarn und nicht vom Dozenten lernen. Das heißt doch, dass wir diesen Teil noch viel stärker unterstützen müssen (z.B. mit Social Software) und der Dozent eigentlich eine viel stärker lenkende Rolle erhält (wie die Tutoren in unseren VCLs). Oder sehe ich da was falsch?

Antworten

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s