Wir leben und arbeiten – anders!

Wir googeln und wir twittern. Wir chatten und bloggen. Wir versenden Kalendereinträge und führen Meetings online. Ganz selbstverständlich! Und ob das berufliche Aktivitäten oder Private sind, wird nicht mehr unterschieden. Die Kommunikation hat sich verändert, und damit die Arbeitswelt und das private Leben!

Aktuell gibt es immer wieder Beiträge zu den verschiedensten Themen im Bereich digitaler Vernetzung, IT-Revolution im Alltag oder der vernetzen Gesellschaft. Alle Berichte haben gemeinsam, dass der Fortschritt im Bereich der IT-Technologien und der Umgang mit dem steigenden Informationsumfang beschrieben werden. Ebenfalls gemeinsam ist der Trend zu neuen Kommunikationsformen, die sich aus den technischen Entwicklungen ableiten lassen. Interessant dabei ist, dass einerseits der Umgang aus der Arbeitswelt in unser Privatleben Einzug hält: wir schicken heute genauso Terminanfragen an Freunde oder Familie, um eine Feier zu planen oder organisieren ein Klassentreffen durch Onlineabstimmung.

Auf der anderen Seite werden immer häufiger „neue“ Kommunikationsmittel und -anwendungen in Unternehmen eingesetzt, um den Austausch von Wissen und Informationen untereinander zu beschleunigen bzw. erst zu ermöglichen. Darunter zähle ich zu aller erst die Instant-Messaging- oder Chat-Kommunikation, die im Privaten durch ICQ, MSN-Messager oder iChat eher dem Austausch von Informationen zwischen Freunden oder Familie vorbehalten war. Gerade im Wissensmanagementbereich wird diese Form der Zusammenarbeit und Abstimmung immer wieder für Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung als Maßnahme vorgeschlagen, um den Wissensfluss zwischen Mitarbeitern zu optimieren.

Darüber hinaus haben sich Social Communities in der Gesellschaft, vornehmlich bei sogenannten Digital Natives oder Millennials, etabliert. Dabei ist aber auch hier ein Trend zu sehen, dass nicht nur fest definierte Gruppen, wie Studenten sich in StudiVZ oder im Facebook vernetzen, sondern auch immer breitere Personenkreise, die nicht originär zu den Digital Natives zu zählen sind, sich im Netz sozialisieren, also gewollt digitale Spuren im Netz hinterlassen. Das Anlegen von persönlichen Profile und Lebensläufe, Austausch von Urlaubesfotos mit Freunden und Bekannten oder einfach alte Schulfreunde aufstöbern und mit ihnen „chatten“. Beispiele sind hier XING zur Karrierevernetzung, Stayfriends um mit Schulkameraden in Kontakt zu bleiben oder Flickr zum Austausch von Urlaubsfotos.

Das aktuelle Thema der diesjährigen CEBIT 2009 lautet deshalb „Webciety“ und thematisiert gerade diese vernetzte Gesellschaft, quasi die „Netzgesellschaft“. Und so steht das Thema, laut FTD zu Webciety noch in den Startlöchern, da gerade erst die mobile Internetnutzung und Kommunikation begonnen hat. Einen wesentlichen Beitrag dazu hat nicht zuletzt das Apple iPhone gegeben, da es durch Bildschirmgröße und einer ausgeklügelten Benutzereingabe das mobile Internet erst massentauglich gemacht hat. Auf der diesjährigen Telekommunikationsmesse in Barcelona, die gerade zu Ende gegangen ist, ein Slogan zu entnehmen: „Alle kopieren das iPhone.“, was den Trend zur mobilen Internetnutzung weiter vorantreiben wird! Wachstumsraten auch aus Entwicklungsländern von 2800% im Bereich von Webseitenabrufe vom Handy, zeigen deutlich die Entwicklung auf. Und bezogen auf die Social Communies ist gerade der nächste Hype geboren, quasi die mobile allways-on social community durch Nutzung der Ortsinformationen von und über Mobiltelefone (u. a. peperonity, aka-aki, zyb).

Aber was haben diese Entwicklungen, insbesondere die stetige Vernetzung und die steigende Mobilität, nun für Auswirkungen auf unsere Arbeitswelt und somit auch auf unsere Freizeit? Dies beschreibt ein Artikel aus der brand eins [1] recht eindrucksvoll. Wir werden, so der Artikel, neue Benutzer- und Spracheingaben bei den Endgeräten vorfinden und nutzen. Benutzeroberflächen werden an Wände projiziert und mit den Händen und Gesten gesteuert und somit die Tastatur und Maus ersetzen [Podcast]. Die Multitouch-Eingaben heutiger Mobiltelefone beweisen diese Entwicklung. Wir werden neue Kommunikationswege nutzen, um mit Kollegen per Video-Chat gleichzeitig an Dokumenten und Präsentationen arbeiten (u. a. Adobe Connect, iwork.com, MS Skydrive, Google Docs u.v.m.)

Dies führt aber auch zu organisatorischen Veränderungen der Arbeitswelt, die aktuell u. a. unter Wegfall von Kernarbeitszeiten, Tele-Arbeit und Desk-Sharing beschrieben werden können. Und so wird derzeit in Business-Lounges auf Flughäfen oder Bahnhöfen, beim Kunden direkt am Schreibtisch oder von zu Hause aus gearbeitet. Und durch das ständig erreichbar sein, ist es dann auch nicht mehr notwendig, im Büro die „Zeit abzusitzen“.

Auch hier geht der Trend von Kernarbeitszeiten über Gleitarbeitzeit hinzu Vertrauensarbeitszeiten (bspw. bei SAP, in der Stadtverwaltung Wolfsburg). Vorteil dieser Überlegung scheint die bescheinigte Mehrarbeit der Mitarbeiter zu sein, wie das Kölner ISO-Institut ermittelte. Die Anforderungen an diese Mobilität bringen die sogenannten Digital Natives mit, für die E-Mails und Video-Konferenzen „old-fashioned“ sind, die selbst Know-How im Bereich von WIKI-Authoren, Communies und Cooperation-Tools mitbringen und somit ihren Beitrag zur Integration von Web 2.0 in das Unternehmen leisten (u. a. Enterprise 2.0, Bitkom: Tipps zum Einsatz von Web 2.0).

Welche kritischen Auswirkungen diese Allways-on-Mentalität auf uns selbst bzw. auf die Effektivität unserer Arbeitsleistung bzw. Zusammenarbeit hat, kann ich an dieser Stelle nicht hinreichend thematisieren und würde dieses Kapitel gesondert beschreiben. Symptomatisch ist sicherlich der Ausspruch der Zeit: „Der Feierabend hat Feierabend.“ Aber dazu ein anderes Mal mehr. [Die Zeit, 28.08.2008, Nr. 36]

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Ein Gedanke zu „Wir leben und arbeiten – anders!“

  1. Ich denke, man muss dabei unterscheiden, ob lediglich das Kommunikationsmedium für private und berufliche Kommunikation vermischt wird, ob Arbeitszeit und Freizeit sch vermischen oder ob Beruf und Privatleben vollständig miteinander verschmelzen. Letzteres wird wohl nur der Fall sein, wenn man in seinem Beruf bzw. in seiner Arbeit aufgeht, also z.B. ein höheres Ziel oder Passion dahinter sieht. Dann spielt es auch keine Rolle, ob man privat oder beruflich agiert, da es man es nicht aus Karriere- oder finanziellen Gründen handelt (siehe unseren Greenpeace-Diplomanden 😉 ).

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