Eine kurze Reise ins Land des Wissensmanagements

Die KnowTech ’09 ist vorbei und die Nachlese kann beginnen. Es war recht anstrengend, als Referent auch den vielen Beiträgen zu folgen. Und so war es sehr hilfreich, in den Pausen über die verschiedenen Vorträgen zu diskutieren, die man sich angehört bzw. verpasst hatte.Um ein Eindruck zu bekommen, was einem in Bad Homburg geboten wurde, möchte ich einen kurzes Medley der besuchten Vorträge geben. Mit einer Keynote begann ein Ausblick zur „Neuen Arbeit“ in der Wissensgesellschaft von Achim Berg, Geschäftsführer von Microsoft Deutschland. Selbstverständlich wurde darin deutlich, dass die Wissensarbeiter von morgen neue Informations- und Kommunikationswerkzeuge benötigen, damit sie den Herausforderungen der Zukunft gut gerüstet sind. 65 GB pro Mensch weltweit sind derzeit an Daten im Umlauf! Wichtigem von Unwichtigem wird also wichtiger den je zu unterscheiden sein. Die Strukturierung von Informationen und die schnelle Vernetzung von Mitarbeitern sind demnach entscheidende Ausrichtungen. Microsoft nennt deshalb als Trends die Unified Communication: nutzerzentrierte Kommunikationswerkzeuge aller Art und Collaboration-Anwendungen, die Wissen speichern und kommunizieren können. Völlig kontrovers diskutierte Dave Snowden das Thema Wissensmanagement. Er prangerte das all zu technokratische Verständnis im Umgang mit Wissen an und forderte ein mehr an naturwissenschaftlichen Umgang mit Wissen. Explizites Wissen gibt es gar nicht erst, sondern stellt nur dann Wissen dar, wenn es den impliziten Kontext nicht verliert. Spannende Prinzipien lauten deshalb (Snowden):

  • Wissen ist immer freiwillig und kann nicht zwangsverpflichtend sein,
  • Wir wissen immer nur das, was wir tatsächlich gerade benötigen, wir sind keine „informations processors“,
  • Im Rahmen eines wirklichen Wissensbedarfs lehnen einige Leute es ab, ihr Wissen zu teilen,
  • Was wir tatsächlich wissen ist nicht das gleiche was wir sagen zu wissen,
  • Wir wissen mehr als wir sagen können, wir können mehr sagen, als wir aufschreiben können,
  • etc.

Wir sehen bei Snowden, es ist nicht möglich Wissen als Objekt zu betrachten, es abzulegen und bei Bedarf von anderen einfach wieder zu verwenden. Jedes Wissensmanagementsystem müsste demnach scheitern! Weitere sehr interessante Aussagen und Schlussfolgerungen finden man im Vortrag hier. Im übrigen ist Snowden der meist zitierte Referent auf der diesjährigen KnowTech’09! Ähnlich wie Snowden äußerte sich auch Utz Claassen auf der Keynote zur zukünftigen Bedeutung von Wissen in unserer Gesellschaft. Dieser Vortrag war sehr politisch ausgerichtet (Claassen ist der Vorsitzender des BDI’s) und stellte heraus, dass die aktuelle Wirtschaftskrise keine Finanz- oder Strukturkrise ist, sondern vielmehr eine Wissenskrise darstellt. Demnach war zu jeder Zeit das Wissen rund um den Finanzhandel lange bekannt, es wurde jedoch nicht angewendet! Claassen richtete seine Blick dann in Richtung Wertschöpfung durch Wissen und stellte dar, wie Wissen bilanziert werden kann.

Weitere Vorträge, die ich besucht habe:

  1. Social everywhere: wie Social Software Geschäftsprozesse optimiert (Peter Schütt, IBM Dtl.): gute Bespiele von social-Einsatzpotenzialen in Unternehmen,
  2. Microblogging – kleine Revolution im internen Einsatz (Nicol Simon, Buchautorin): Erklärung vom Twittern ohne wirklichen unternehmerischen Mehrwert!
  3. Nachhaltige Wissenssicherung bei AIRBUS (Lars Langenberg): komplexer Einsatz vielfältiger Wissensmanagement-Maßnahmen,
  4. Etablierung von Wissensmanagement im Umweltbundesamt ;-): ein wenig zu viele Folien bei fehlender Zeit
  5. CrowedInnovation: Open Innovation im Enterprise 2.0 – internes und externe Wissen vernetzen! (Siemens AG): sehr gute Beispiele wie Wissen durch Mitarbeiter oder durch private Personen für Unternehmen zielgerichtet generiert werden kann,
  6. Anforderungsanalyse für Web2.0-Plattformen (Stefan Voigt, Frauenhofer Institut Magdeburg): guter Vortrag der strukturierten Einführung von Web2.0 in Organisationen
  7. Neu erlebt: Umgang mit Wissen im Enterprise 2.0 – Herausforderungen für das Wissensmanagement (TU Dresden/MMS): fand ich eigentlich ganz gut
  8. Wikimanagement: Neue Denkansätze für die Wissensnutzung im Geschäftsprozessmanagement (Ayelt Komus): Im gleichnamigen Buch befinden sich nützliche Prinzipien, die Kennzeichnend für den Umgang mit Wikis sind,
  9. Optimierung einer Kursorganisation via Wiki-Technologie, Verbesserung des wissensorientierten Prozessmanagements durch gezielten Einsatz eines Web2.0-Werkzeuges. (TFK Technologies GmbH): fand ich sehr ansprechend, wenn man wissen will, welchen Beitrag ein Wiki im E-Learning leisten kann.
  10. Innovationspotenzial nutzen durch wissensbasierte Geschäftsmodelle: eine Wissensportal (Bosch Rexroth AG): der Beitrag zeigt, wie durch ein Wiki Wissen zu Weiterbildungszwecken gebündelt werden kann und gleichzeitig neue Wissensprodukte am Markt angeboten werden können,
  11. Macht Wissensmanagement Unternehmen erfolgreich? (Franz Lehner, Accenture): Herr Lehner widmete sich dem Problem der Messung des Erfolges von WM und kommt u.a. zum Ergebnis, dass die Erfolgsfaktorenanalyse (KnowMetrix(C)) diesen schnell, bequem und einfach berechnen kann.

Mein Fazit fällt positiv aus. Es war sehr gut organisiert, unsere Beiträge waren gut platziert und Hendrik und ich fanden stets interessante Vorträge. Alte und neue Kontakte konnte ich knüpfen. Der Tagungsband befindet sich demnächst in unserer Bibliothek. Kontroverser Wissensaustausch zu den obigen oder anderen Themen ist sehr gern erwünscht. Und der Beitrag zeigt wieder, das es sehr schwierig ist kurz und knapp sein Wissen aufzuschreiben. Sie haben recht, Herr Snowden!

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