Diplomandenseminar vom 15.01.2009

Letzte Woche hat wieder ein Diplomandenseminar unseres Lehrstuhls stattgefunden, bei welchem einige unserer Diplomanden in größerer Runde den aktuellen Zwischenstand ihrer Arbeit präsentieren. Mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Adam möchte ich die Folien seiner Präsentation bereitstellen. Da die Arbeit in Kooperation mit einem externen Partner erfolgte, können nur die Folien bereitgestellt werden, die nicht unter die non-disclosure fallen. Das Thema ist IT Service Management mit ITIL. Diplomandenseminar vom 15.01.2009 weiterlesen

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Ist wissenschaftliches Arbeiten „praxistauglich“?

Im Rahmen eines aktuellen Seminars wurde ich mit der Meinung konfrontiert, dass die wissenschaftliche Arbeitsweise für die Praxis nicht geeignet ist. Diese Probleme trifft man auch in den Wirtschaftswissenschaften an:

  • Die wissenschaftliche Arbeitsweise verlangt nach genug Zeit, um sich mit allen nötigen Themen auseinander zu setzen. In der Praxis muss man aber mit einem knappen Zeitbudget umgehen.
  • Im Rahmen des wissenschaftlichen Arbeitens sollte man unvoreingenommen arbeiten. Das gilt auch für mögliche Lösungen – man sollte alle Lösungsalternativen als gleichgewichtig betrachten. In der Praxis hat man aber oft praktische Restriktionen, die zu einer Verzerrung gegenüber einer oder mehreren Möglichkeiten führen.
  • Um wissenschaftlich zu sein, sollte man die besten Methoden und die aktuellsten Daten einsetzten. In der Praxis reich oft eine pragmatische Lösung.
  • Idealerweise forscht ein Wissenschaftler nur wegen der Forschung – sprich, er versucht einfach ein Problem zu lösen und hat keine Nebenziele. In der Praxis muss man an die Zufriedenheit des Kunden denken, an das eigene Unternehmen und nicht zu letzt auf die eigene Karriere ;-).

Ich könnte noch weitere Widersprüche finden. Warum lernt man dann überhaupt die wissenschaftliche Arbeitsweise? Nur wegen der Abschlussarbeit? Lehrt die Uni nur für die Uni und nicht fürs (Arbeits-) Leben?

Es ist meine persönliche Überzeugung (und jeder darf gerne widersprechen), dass das wissenschaftliche Arbeiten und schreiben auch Anwendung in der Praxis hat, wenn auch nicht immer eine direkte. Wenn jemand nach dem Studium in einer Forschungsabteilung einer Firma arbeitet, kommt er dem wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben auch in der Praxis schon recht nah. Für den Rest geht es eher um den Transfer ausgesuchter Fähigkeiten in die Realität der Praxis. Ich bin der Meinung, dass folgende Fähigkeiten besonders wertvoll sind:

  • Beim wissenschaftlichen Arbeiten lernt man es, methodisch vorzugehen. Auch in der Praxis sollte man nicht einfach aus dem Bauch entscheiden, sondern sich systematisch an ein Ergebnis heran arbeiten. Natürlich kommen in der Praxis oft auch „Abkürzungen“ von Arbeitsprozessen zum Einsatz, die in der Wissenschaft unzulässig wären.
  • Besonders wichtig beim wissenschaftlichen Arbeiten ist die kritische Auseinandersetzung mit Ideen und Fakten. Dieser Punkt wird oft vernachlässigt. Viele Studierende haben auch nicht den Mut zu kritisieren und verschiedene Meinungen gegeneinander auszuspielen. Die Fähigkeit, auch eingefahrene Abläufe und ausprobierte Ideen kritisch zu hinterfragen, ist auch in der Praxis wichtig. Denn die Welt ändert sich und man darf ja nicht immer alles gleich machen, bloß weil es „schon immer so gemacht wurde“.
  • Beim wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben lernt man es, sich in eine Thematik schnell einzuarbeiten, Quellen in verschiedenen Medien zu suchen und zu Systematisieren. Ich glaube, sowas kann man eigentlich immer – nicht nur im Beruf – gebrauchen.
  • Und schließlich lernt man es, strukturiert zu schreiben. Die wissenschaftliche Schreibweise selbst ist natürlich etwas Praxisfern, mit dem nervigen Zitieren, pedantischen Formalia und unnötiger Darlegung der gesamten Arbeitsweise ;-). Aber die Fähigkeit, komplexe Themen strukturiert darzustellen auf einer begrenzten Seitenzahl wird man in der Praxis sicherlich noch brauchen.

Ich bin eigentlich der Meinung, dass man an der Uni viel zu wenig schreibt. Ich würde in vielen Veranstaltungen die Anfertigung von Hausarbeiten der Klausur vorziehen. Denn die Sachen, die man für eine Klausur gelernt hat sind oft ein Paar Wochen später vergessen. Aber (so meine Erfahrung), man erinnert sich noch Jahre später, was man für die eigene Seminararbeit gelesen hat, denn damit hat man sich viel intensiver auseinandergesetzt.

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Wirtschaftinformatik für WiWi-Bachelor rulez!!!

Heute war der Infotag für alle Studenten des Bachelor Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen der TU Dresden. Dazu gab es als erstes Erläuterungen durch den derzeitigen Studiendekan Prof. Schoop und im Anschluss konnten sich die Studenten an den Posterwänden im Foyer zu den möglichen Major- und Minorbereichen informieren.

Jeannette beim Infotag für WiWi-Studenten
Jeannette beim Infotag für WiWi-Studenten

Wirtschaftsinformatik ist dabei (derzeit) nur als Minor belegbar und so haben wir erklärt, warum der Minor eigentlich die ideale Ergänzung zu den verschiedenen Majorbereichen ist. Zu den BWL-Major „Management & Marketing“, „Accounting & Finance“ und „Operations & Logistics“ ist die Verbindung recht offfensichtlich und einfach zu vermitteln. Bei Wirtschaftspädagogik lässt sich über eLearning, Wissensmanagement und informelles Lernen mittels Social Software auch eine gute Verbindung finden. Bei den Majorbereichen „Umweltmanagement & Energiewirtschaft“ und „Volkswirtschaftslehre“ ist dann schon etwas Kreativität gefragt. Dabei wäre insbesondere für die VWL z.B. die Simulation wirtschaftlicher Abläufe und Zusammenhänge (wie auch Prof. Strahringer anmerkte) ein durchaus interessantes Thema, welches aber an der TU Dresden brach liegt. Daher blieb hier nur der Verweis auf Elektronische Märkte und Internetökonomie.
Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass wir den den Minor gut und seine Vorteile gut erklären konnten. Leider wird durch die vorherigen Lehrveranstaltungen im Bachelorstudium die Wirtschaftsinformatik als eine Kombination von Programmierung und Datenbanken wahrgenommen. Die eigentliche Gestaltungsfunktion betrieblicher (oder vielleicht besser organisationaler) Funktionen mittels IKT… oder um es mal ein bissl marketingtauglicher zu sagen: Themen wie Wissensmanagement, Business Intelligence, Competitive Intelligence, Enterprise Resource Planning und, und, und… werden leider nicht wahrgenommen. Naja, da haben wir also noch Aufklärungspotential und Missionierungsbedarf. 😉

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Richtig Zitieren: Warum eigentlich (nicht) Wikipedia?

Aus studentischer Perspektive (und oftmals leider auch in fortgeschritteneren Stadien) erfolgt Literaturarbeit oftmals dergestalt, dass nicht anhand der verfügbaren Literatur der Stand der Wissenschaft inklusive Lücken und Widersprüchen aufgezeigt wird, sondern dass man zu seiner Arbeit die „passenden“ Artikel oder Textpassagen heraussucht. Da kann es schonmal vorkommen, dass eine dem eigenen Thema widersprechende Literatur weggelassen wird oder ein Abschnitt aus einer Quelle zitiert wird, ohne das man dem Hintergrund der Arbeit wirklich verstanden hat. Dies ist insbesondere dann problematisch, wenn man Begriffe verwendet, die je nach Grundverständnis unterschiedliche bis austauschbare Bedeutungen haben können. Als Beispiel dazu sei „Wissen“ und „Information“ genannt, was je nach Wissenschaftsrichtung oder „Schule“ des Autors ein komplett anderes Verständnis bedeuten kann.

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Sieben Todsünden des Präsentierens

Ich möchte an Hendriks „Bestviewing“ Post über die Verteidigung einer Diplomarbeit anknüpfen. Wie der Blog-Statistik zu entnehmen ist, gibt es in diesem Bereich durchaus noch Bedarf an Tipps. Heute möchte ich einen Katalog mit Fehlern vorstellen, die bei Präsentationen auftreten. Es gibt auf jeden Fall noch weitere Fehler, aber diese sind aus meiner Sicht die schlimmsten: Sieben Todsünden des Präsentierens weiterlesen

Die andere Seite!

Vor ein paar Tagen ging das Fallstudienseminar in Spindlermühle zu Ende. War ich letztes Jahr noch Student, so bin ich heuer als Betreuer dabei gewesen.

Ich war überrascht wie sehr sich die Sichtweise ändert – in so kurzer Zeit, wenn man auf die andere Seite wechselt. Jammerte ich die letzten Jahre über unklare Aufgaben, wunderte ich mich dieses Jahr, dass die Studenten meine gefühlt klaren Aufgaben nicht umsetzen konnten. Unglaublich fand ich auch, wie stark das Gelingen von der Zusammensetzung der Studenten abhängig ist. Gefühlt war es trotz starker individueller Leistungen ein schwacher Jahrgang (obwohl mir so ein Urteil noch gar nicht zusteht), wenn ich es mit letzten, aber noch mehr vorletztem Jahr vergleiche. Aber liegt es wirklich an den Studenten oder doch eher an der Aufgabenstellung? Im vorletzten Jahr war das Ziel absolut klar, im letzten dann aufgrund der Thematik (Bachelor-Konzeption) eher diffus.

Wenn ich auf die Präsenzveranstaltung zurückblicke fiel es mir besonders schwer, die Aufgabenstellung klar zu umreißen und das Ziel zu verdeutlichen – so sahen das auch die Studenten. Vielleicht auch, weil es während des Fallstudienseminars erst an Konturen zunahm?

Auch wenn ich nun auf der anderen Seite stehe, habe ich in diesem Fallstudienseminar viel gelernt über Organisation, Ablaufplanung, Zwischenmoderation und Betreuung. Für alle wertvollen Hinweise zwischendurch möchte ich mich bei Claudia, Hendrik und Kay herzlich bedanken, insbesondere für die Hilfe bei der Diskussionsführung nach den Präsentationen und die fortwährende Beratung der Gruppen bei der Arbeit.

Tipps zur Verteidigung einer Diplomarbeit

Über die Zeit meiner Lehrstuhltätigkeit habe ich einige (formale) Tipps für meine Diplomanden zusammengestellt. Da ich aber für gleiches Recht für alle bin, soll diese Sammlung nun auch einer breiteren Masse zur Verfügung stehen:

Die Verteidigung geht bei uns maximal eine Stunde. Dabei ist die Präsentationszeit mit 20 min veranschlagt. Man kann auch leicht drüber sein, sollte aber auf  keinen Fall 30 Minuten überschreiten. Der Rest ist dann Diskussion.

  • Am Anfang macht es sich gut, mit einer griffigen Motivation einzusteigen, die jeder versteht. Mit jeder meine ich damit auch diejenigen, die keinen blassen Dunst vom Thema haben. So sollte man alle abholen und Interesse wecken.
  • Für den Aufbau finde ich folgende sollte-Regel sehr griffig: Bei einem wissenschaftlichen Vortrag sollte das erste Drittel jeder verstehen, das zweite Drittel zumindest alle aus dem Fachgebiet und beim letzten Drittel reicht es, wenn es die Fachexperten verstehen, die in dem Bereich auch selber wissenschaftlich aktiv sind. Ist natürlich sehr schwammig die Aussage, aber aus meiner Sicht eine gute Richtlinie.
  • Bei der Auswahl des Inhalts ist wichtig, dass man nicht versucht, die komplette Arbeit vorzustellen, sondern sich überlegt, was eigentlich der Clou der Arbeit ist. Also, was ist das Ergebnis oder ein Ergebnis, welches nun den außergewöhnlichen Wert der eigenen Arbeit darstellt. Auf dieses Ergebnis solltest man bei der Präsentation abzielen.
  • Natürlich sind ein paar Grundlagen wahrscheinlich von Nöten, allerdings hier wirklich auf das Beschränken, was zum Verstehen gebraucht wird. Schließlich hat man ja nur 20+x min und die will man ja nutzen, um die Zuhörer von der eigenen Arbeit zu überzeugen und zu begeistern.
  • Am Ende auch durchaus eine Folie zu weiterem Forschungsbedarf, dabei aber auf die Gefahr achten, dass man nicht zu unkonkret wird.
  • Ordentlich gekleidet erscheinen 😉
  • Den Vortrag vorher unbedingt üben, am besten vorm Spiegel oder noch besser vor einer befreundeten Person. Ich habe meine Verteidigung vorher 2 mal komplett geübt, beim ersten Mal vor einem guten Freund. Das erste Mal habe ich fast ne Stunde gebraucht, aber dafür gemerkt, was zuviel bzw. Quatsch ist, weil es nicht in die Argumentation passt. Das zweite Mal lag ich knapp unter einer 3/4 Stunde. Hätte es auch gern noch ein drittes Mal geübt, aber dazu blieb leider keine Zeit, weil ich schon eine dringliches Projekt am Lehrstuhl machen musste. 😉 In der Verteidigung bin ich dann aber bei 28 min gelandet, was noch im Rahmen war. Glück gehabt. 🙂 Aber wie gesagt, Vortrag vorher üben. Die Verteidigung geht bei uns schließlich zu einem Drittel in die Gesamtnote ein, also ist da durchaus nochmal was nach oben oder unten drin.
  • Falls man bestimmte Fragen erwartet, weil man bspw. Themen ausspart oder nur kurz anreist oder sie leicht missverständlich sein können oder was auch immer, machen sich ein paar Backup-Folien gut.
  • Handout kann gut ankommen. Gerade bei einem Thema, da sehr komplex ist. Hier aber darauf achten, dass ein Handout nur gut ankommt, wenn er gut gemacht ist. Also, die Präsentation einfach nochmal jedem auszudrucken ist eher verschwendete Zeit und Aufwand. Wenn Handout, dann ordentlich vorbereiten, so dass er den Vortrag optimal unterstützt und auch schick aussieht.

So, das waren die wichtigsten Tipps von mir. Ich rufe hiermit jeden mit weiteren Tipps auf, diese als Kommentar hier anzufügen. Kommt eine entsprechende Sammlung zusammen, würde ich mich bereit erklären, diese nochmals in einem eigenen Eintrag oder Seite aufzubereiten.

Reverse Mentoring

Ich wurde heute von Christian Kummer auf den Begriff des Reverse Mentoring aufmerksam gemacht. Für mich war der Begriff neu, eine kurze Suche ergab aber, dass das Reverse Mentoring bereits seit mehreren Jahren umgeht. Fangen wir aber richtig an-  und zwar bei der Definition:

Der Begriff des „traditionellen“ Mentoring beschreibt eine Beziehung zwischen einer erfahrenen Person (Mentor), die eine weniger erfahrene Person (Protégé) begleitet und unterstützt. Typischerweise handelt es sich bei einem Mentor um einen (dienst-) älteren Kollegen. Strukturierte mentorenprogramme werden für die Unterstützung neuer Mitarbeiter in Unternehmen eingesetzt. Auch an den Universitäten werden die Mentoren-Programme eingeführt.

Aber was passiert, wenn der erfahrene Mitarbeiter gar nicht derjenige ist, der älter und bereits länger im Unternehmen/an der Uni ist? Dann kann durchaus das Reverse Mentoring eine Option sein. Beim Reverse Mentoring würde der jüngere zum Mentor und der ältere zum Protégé, der Student zum Meister und der Dozent zum Lehrling. Typischerweise trifft man den Begriff des Reverse Mentoring im Zusammenhang mit Technologie. Hier sind nämlich die (zu) früh geborenen im Nachteil. Für die jüngere Generation ist Technologie, vor allem das Internet etwas alltägliches, ein Freund und Helfer. Man nennt diese jungen Grlückspilze auch die Digital Natives.

Als Erfinder des Reverse Mentoring wird oft Jack Welch, der frühere CEO von General Electric genannt. Er hat bereits in 1999 das „Handicap“ der älteren Manger erkannt und ein Reverse Mentoring Programm eingeführt. Mittlerweile versuchen aber auch viele andere Firmen das Potenzial der jungen Mitarbeiter auszunutzen. (Greengard, 2003a; Greengard, 2002) Und wem die eigenen Mitarbeiter nicht Digital Native genug sind, dem können vielleicht die Studenten helfen. So hat die  Wharton School of Business an der University of Pennsylvania 60 Studierende mit Managern vernetzt. Die Studenten hatten die Aufgabe, den Managern die Möglichkeiten des Internets nahezubringen. (Greengard, 2003b; Greengard, 2002)

Auch an der Universität kann das Reverse Mentoring eingesetzt werden. Einige einfache Möglichkeiten präsentiert Nancy Knwlton (2008). Sie schlägt vor, dass Studenten die Dozenten bei der Auf- und Abbau der Technik unterstützen können. Im Gegenzug können sie an Weiterbildungsangeboten für die Mitarbeiter im technischen Bereich teilnehmen. Aber auch strukturierte Programme sind denkbar. An der California State University San Bernardino wurden Professoren der College of Education studentische Mentoren zugeteilt. Dies geschah im Rahmen eines Schulungprogramms, in dem die Professoren Technologien für den Einsatz in der Lehre erlernen sollten. Die Profs bekamen Aufgaben und mussten diese alleine erfüllen – sprich, sie durften (wie sonst üblich) die Studenten beauftragen, die Aufgaben für die Profs umzusetzten. (Leh, 2005)

Greengard (2003b) nennt fünf Faktoren, die den Erfolg von Reverse Mentoring entscheiden können:

  • Der Einsatz des Reverse Mentoring muss strukturiert und geplant sein
  • Reverse Mentoring muss eine entsprechende Priorität eingeräumt werden.
  • Sowohl die Mentoren als auch die protégés sollte geschult und vorbereitet werden.
  • Die Mentoren sollten sorgfältig ausgesucht werden.
  • Das Reverse entoring muss kontinuierlich untersucht und ggf. angepasst werden.

Interessant in diesem Zusammenhang wäre sicherlich auch das informelle Reverse Mentoring. Oder kann es nicht funktionieren, weil die „älteren“ nicht von den „jüngeren“ lernen wollen bzw. sich über den Bedarf nicht bewusst sind?

Open Access

Bereits seit längerem beschäftige ich mich mit dem Thema Open Access. Oder besser gesagt, ich beschäftige mich leider viel zu viel mit Publikationen ohne Open Access. Denn um diese zu finden, muss ich oft viel bis sehr viel Aufwand betreiben und manchmal auch ohne Erfolg. Ich schätze allen Wissenschaftlern geht es da ähnlich und insbesondere unsere Studenten leiden oft sehr unter der fehlenden Erreichbarkeit von wissenschaftlichen Publikationen. Für alle interessierten habe ich hier einige Grundinformationen über Open Access zusammengetragen.

Die Open Access Initiative geht auf ein Treffen in Budapest in 2002 zurück. Das Ziel von Open Access soll sein, „dass Zeitschriftenbeiträge, die das Peer-Review durchlaufen haben, weltweit elektronisch zugänglich gemacht werden können – kostenfrei und ohne Zugangsbeschränkungen für Forschende, Lehrende und Studierende und für alle anderen, die an den Ergebnissen der Wissenschaft interessiert sind“. Als Grund für die Initiative werden die Beschleunigung der Forschung, Abbau von Unterschieden zwischen armen und reichern Forschern und schnelle Verteilung von neuem Wissen genannt.

Open Access soll entweder über Open Access Journals („Golden Road“) oder Selbst-Archivierung der Autoren erreicht werden („Green Road“) (Bernius & Hanauske, 2007, S. 457). Während die Open Access Journal zurzeit noch nach geeigneten Finanzierungsmodellen suchen, ist Selbst-Archivierung für die Autoren oft im Rahmen der Angebote der Universitätsbibliotheken kostenlos (Bernius & Hanauske, 2007, S. 457 – 458). Auch die SLUB bietet die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Arbeiten über Quocosa. An unserem Lehrstuhl ist die Veröffentlichung der Diplomarbeiten sowie erlaubten Publikationen über dieser Server auch angedacht.

Seit dem Initialaufruf aus Budapest sind jetzt 6 Jahre vergangen. Wie steht es um Open Access jetzt? Einen netten überblick, aufgeschlüsselt nach Fachdiszipilnen bietet die Informationsplattform Open Access. Hier kann man sehen, dass die Informatik bereits fleißig Open Access betreibt, während die Wirtschaftswissenschaften hier noch deutlich hinterher hängen. Wie steht es aber um die Wirtschaftsinformatik? Auch hier gibt es bisher eher wenige Erfolge. Open Access Journals gibt es bisher wenige. Und Konferenzen – die in der Wirtschaftsinformatik eine wichtigere Rolle spielen als in anderen Disziplinen – bieten oft einen sehr begrenzten oder gar keinen Zugang zu den Beiträgen (Bernius & Hanauske, 2007, S. 458 – 459). Bei Selbst-Archivierung liegt vielleicht die Schwierigkeit auch in der Zuordnung der Disziplin: Sollen sich die Wirtschaftsinformatiker den Informatikern anschließen oder doch in den Datenbanken der Wirtschaftswissenschaften publizieren?

Eine neuartigen Ansatz bitet das NAJEcon. NAJEcon steht für „Not a Journal of Economics“. Hier handelt es sich um keinen Journal, man kann also seine Arbeit nicht einreichen. Die freiwilligen Herausgeben schauen sich im Internet frei zugängliche, nicht-publizierte wissenschaftliche Arbeiten an und suchen die interessantesten Beiträge aus. Für diese schreiben Sie einen Review und verlinken sie. Die Idee: Der Autor gewährleistet durch die öffentliche Bereitstellunge des Dokuments die Punlikation, NAJEcon liefert das Peer Review.

Peer Review + Publication = Peer Reviewed Publication.

Wäre das vielleicht auch ein Modell für die Wirtschaftsinformatik? Schließlich wird ja immer wieder darauf hingewiesen, wie schnell verändernde Disziplin Wirtschaftsinformatik ist und wie wichtig ist es daher, Forschungsergebnisse innerhalb kürzester Zeit an den man zu bringen. Peer Reviewed Working Papers sind hier vielleicht gerade der richtige Ansatz. Jemand Lust auf ein Projektantrag? Als Motivation: Open Access Initiative wird manchmal auch belohnt.

Nachtrag zum Artikel Open Space

Nachdem Christian bereits einen Überlick und seine Eindrücke zum 1. Dresdner Open Space hier veröffentlicht hat, möchte ich noch einige Ergänzungen aus meiner Perspektive nachliefern. Wie bereits in dem Artikel erwähnt, sollte man sich zu Beginn einen Unbekannten suchen, um mit ihm ein vorgegebenes Thema kurz zu erörtern. Nachdem ich mich kurz gefragt habe, ob es für das eigene Networking sinnvoll wäre, strategisch vorzugehen (also nach einem erfahrenen älteren Ausschau zu halten, der ja tendenziell höher auf der Karriereleiter steht), entschloss ich mich, wie auf einer Party einfach die mir am sympathischsten (und auch noch suchend schauenden) Person zu schnappen. So bin ich bei Lilia gelandet, mit welcher ich dann auch ausführlich diskutierte, wie auf dem Bild aus Christians Post zu sehen ist.

Die Diskussion ging dann irgendwann weg vom führungslosen Unternehmen (unserer eigentlich vorgegebenen Aufgabe) und stärker in Richtung Wissensmanagement, da sie in der HR-Abteilung arbeitet und ihre Diplomarbeit unter anderem über implizites Wissen geschrieben hat. Nachdem eine Kollegin von ihr dazu kam, haben wir uns dann so ins Gespräch vertieft (bzw. „verquatscht“), dass ich prompt bei der ersten Session erst nach der Hälfte eingestiegen bin.

Ich widmete mich dann der Diskussionsrunde zur Entmystifizierung von Enterprise 2.0, fand aber aufgrund einer recht großen Gruppe und meines späten Hinzukommens nicht so recht den Einstieg in die Diskussion.

Thomas Held
Session zum Corporate Tagging beim 1. Dresdner Open Space. Moderation: Thomas Held

In der zweiten (also der Nachmittags-)Session hat dann einer unserer ehemaligen studentischen Mitarbeiter und angehender Diplomand seine Themenidee zum Coporate Tagging zur Diskussion gestellt und moderiert. Die Diskussionrunde war etwas überschaubarer und konnte einige Ideen und Richtungen für Thomas aufwerfen. Einen konkreten Stand oder Ergebnis haben wir allerdings aus meiner Sicht nicht erreicht, was aber durch die fehlende oder unzureichende Fragestellung bedingt war.

Neben den Hinweisen zu den Blogposts bei Dresden Future Forum und Dresden Future Community sei noch angemerkt, dass die Räumlichkeiten sehr schön und das Essen sehr schmackhaft war. 🙂 Als Veranstaltungsform war es für mich neu und dadurch auf jeden Fall interessant. Ist der Neuheitseffekt aber erstmal verpufft, ergeben sich für mich zwei Schlüsse:

  • Man kann die Veranstaltung gut zum Networking nutzen. Hier wäre insbesondere ein Ausbau der Kennlernrunden wünschenswert. Eventuell sollte man mal eine Kennenlernrunde ala Speed Dating ausprobieren.
  • Möchte man inhaltliche Erkenntnisse mitnehmen, sollten die Fragen der Sessions konkreter als „Web 2.0 heute und in 20 Jahren“ formuliert werden und ich würde für mich auf jeden Fall die Formulierung eines eigenen Diskussionsthemas viel höher priorisieren.