Meinung zu den KissWin-Vorträgen

Nachdem die erste Vortragssession fast vorbei ist und das Essen für die Snacks bereits bereitsteht, ist es Zeit für ein kurzes Stimmungsbild. Die Vorträge sind interessant und fokussieren auf wissenschaftliche Karrierewege, die Situation und Möglichkeiten des wissenschaftlichen Nachwuchs usw.

Problematisch gestaltet sich, dass zwar immer wieder auf die Chancen und Bedarf für exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchs hingewiesen wird, aber keine Aussage darüber getroffen wird, was einen exzellenten Wissenschaftler ausmacht. So ist schwer einzuschätzen, welche Möglichkeiten für die eigene Situation bestehen.

Auch bieten die Ausführungen keinerlei konkrete Anregungen, wie man denn eigentlich forschen soll, sich in der Forschung vernetzen kann oder was man macht, wenn man nicht bereits seit längerem sein Leben auf das Sammeln von Referenzen ausgerichtet hat.

Die Vorträge sind somit stärker als Überblick und Motivation für Studierende oder Hochschulprofessionells und weniger als Handlungshinweise für aktuell Promovierende zu verstehen.

KissWin – Von der Wissenschaft in die Wirtschaft und zurück

Prof. Ovtcharova ist der Meinung, dass der Weg in die Wirtschaft und zurück in die Wissenschaft ein gutes Modell für die Zukunft ist. Sie sprichtTrends in vier Bereichen an:

  • Individuum: subjektive, emotionale Wahrnehmung
  • Gesemmschaft: Interesse an neuen Medien
  • Wissenschaft: interdisziplinjäre Forschung in Gruppe
  • Wirtschaft: Verschmelzung von Produkten und Dienstleistungen, kürzere Innovationszyklen

Entsprechend diesen Trends bewegen wir uns also in Richtung innovativer Wissensgesellschaft (so hätte es such die EU gerne – Lissabon lässt grüßen). Das Management der steigenden Komplexität ist dabei die Herausforderung für die Zukunft.

Prof. Ovtcharova präsentiert ein Kontinuum von Werkzeugen, die die Wissenschaft benuzt:

  • Methoden (reichen nicht aus)
  • Technologien (hier ist es wichtig, sich der Praxis zuzuwenden)

Prof. Ovtcharova glaubt, dass Wirtschaft und Wissenschaft verstärkt zusammenarbeiten sollten (dabei redet sie vor allem über Ingenieurwissenschaften). Hierzu gehört auch eine Wandlung in der Qualifikation der neune Arbeitskräfte, vor allem auch im Bezug auf neue Berufsbilder. Dabei müssen die einzelnen Individuem ihre eigene Wege finden können, was für die Flexibilisierung der Qualifikation spricht.

KissWin – Nachwuchsförderung an außeruniversitären Forschungseinrichtungen

Prof. Jäckle stellt die Max-Plack-Gesellschaft (MPG) vor und diskutiert an deren Beispiel die Möglichkeiten der außeruniversitären Forschung. Er präsentiert zuerst wichtige Daten, die demostrieren sollen, wie erfolgreich und wichtig die MPG ist. Nach einer weile werde ich jedoch etwas ungeduldig – bisher habe ich nur recht wenig über die Nachwuchswissenschaftler bei der MPG gehört und der Vortrag heißt schließlich nicht „Die Huldigung der Max-Planck-Gesellschaft“. Nach und nach kommt er aber dann doch dazu, über die Möglichkeiten der Nachwuchswissenschaftler bei der MPG, obwohl immernoch mit einem Hauch Werbeveranstaltung. Was mich auch etwas irritiert sind die Folien in englischer Sprache. Dies führt auch immer wieder dazu, dass Prof. Jäckle keine deutschen Begriffe findet und einfach die englischen von den Folien abliest.

Die MPG konzentriert sich auf Grundlagenforschung. Die Max-Planck-Innovation, als 100% tochtergesellschaft der MPG kümmert sich dann um die Vermarktung der Innovationen (z.B. auch die Patente) der Innovationen. Die Max-Planck-Institute (MPI) sind vollständig autonom. Sie werden alle zwei Jahre bewertet und beraten von der zentralen MPG. Die MPG bietet auch eigen spezielle PhD-Programme, die in Zusammenarbeit mit den Universitäten angeboten werden. Diese Programme werden international nachgefragt – über die Hlfte der Teilnehmer stammt nicht aus Deutschland. Dabei fördert MPG die internationale Beteiligung.

Die MPG fördert auch kleine selbständige Forschungsgruppen, bei denen die Nachwuchswissenschaftler eigenen Projekte beantragen und selbststängig inerhalb von 5 Jahren durchführen. Dabei werde auch wissenschaftliche Themen, die nicht unbedingt dem Man-Stream folgen, explizit gefördert. Allerdings stelle ich mir die Frage, ob man als Wirtschaftsinformatiker bei der MPG überhaupt relevant ist. Wenn man sich die Forschungsgebiete der MPG anschaut, findet man keinen konreten Bereich, wo man die WINFs ansiedeln könnte (natürlich kann es Nischen in den Einzelnen Gebieten geben).

KissWin – Wie geht es dem Wissenschaftlichen Nachwuchs an den Universitäten?

Dies war im großen und ganzen ein guter Vortreg, in dem die Probleme offensiv angesprochen wurde und auch einige Lösungsansätze vorgestellt wurden. Leider sind dies recht allgemen Lösungen, die man nur begrenzt für dich verwerten kann, d.h. wenn man schon mitten in der Promotion steckt. Natürlich ist es dennoch wichtig langfristige, großflächige Lösungen zu suchen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob diese Tagung die richtige Platform, mit der richtigen Zielgruppe ist.

Prof. Müller steigt in den Vortrag mit recht kritischen Thesen ein um Diskussion anzurechen:

In keinem anderen Land wird von den Promovierenden so emphatisch gefordert, dass sie mit ihrer Arbeit einen eigenständigen Beitrag zum wissenschaftlichen Fortschritt leisten.

Aber: Die Gegebenheiten an den deutschen Universitäten werden diesem Anspruch nicht (nur bedingt) gerecht.

Prof. Müller nennt folgende Probleme:

Die soziale lage der NW ein hohes Niveau von Unsicherheit. Bei weitem nicht alle Promovierende haben eine Stelle an einer Universität/Institution. viele müssen die Promotion selbst finanzieren. dabei gibt es starke Unterschiede zwischen den Disziplinen (insbesondere Geisteswissenschaftler stehen schlecht da).

Eine Promotion dauert im Schnitt 4-5 Jahre, weil die Promovenden mit anderweitiger Arbeit überlastet sind. In diesem Zusammenhang prangert Prof. Müller auch die mangelde Leistung von einigen Professoren an („Die Mehrheit der Professoren betreuen Ordentlich, das verspreche ich Ihnen!“) Diese Faktoren führen zu einer Abbrecherquote von ca. 50%.

Insbesondere Frauen werden von den Schwierigkeiten betroffen, was zu einer Unterrepresentation führt. Der Frauenanteil steigt auch nur langsam ein. Im Bereich der Stipendien jedoch ist der Frauenanteil sehr hoch – um so höher, je transparenter das Auswahlverfahren ist. Das scheint darauf hinzudeuten, dass wenn ein einzelner Professor auswählen muss, dieser verstärk auf männliche Kandidaten zurückgreift.

Um die Situation zu verbessern, müssen jetzt Ansätze gefunden werden – hierzu fehlt aber bisher der politische Wille. Folgende Ansätze gibt es schon:

  • Graduiertenschulen, speziell für Promovenden (Curriculum, Stipendien, Betreuung
  • Betreuungskontrakte über gegenseitige Verpflichtungen
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf

KissWin – Googelst du noch oder forschst du schon?

Der Vortrag wird von Prof. Henning gehalten. Ich gebe zu, er hat mich etwas enttäuscht. Ich have gehofft, dass es sich hierbei um Anregungen zur Forschung (als Gegensatz zu einer reinen Recherche) handelt. Der Vortrag ist aber hauptsächlich eine Werbeveranstaltung für den KissWin-Portal.

Prof. Henning redet nicht über jetztund hsondern er lenkt die Aufmerksamkeit auf die Zukunft (2020). Er weist auf die demographische Änderungen hin, auf die Bedeutung des Wissens (Infirmations- bzw. Wissensgesellschaft) und die Änderungen in den Weltmächten (zukünftige Player: China, indiean Süd/Nord Amerika).

Laut Prof. Henning kann man in der Weltgeschichte wachsende Spanne zwischen Wahrnehmungsfähigkeit und Handlungsfähigheit. Hieraus folgt für die Zukunft höhere Fluktiation auf dem Arbeitsmarkt und daher auch notwendige Flexibilität der Arbeitnehmer. Dies Betrifft sowohl die Aneignung neus Wissens und neuer Kompetenzen, als auch für die Arbeitsplatzmobilität.

Nach dieser Anleitung – die uns wahrscheinlich etwas Angst machen sollte – kommt es endlich zum Thema Google. Prof. Henning zeigt, dass im Google zwar Informationen vorhanden sind, diese aber ungeordnet zur Verfügung stehen (klassische Informationsüberflutung). Anhand der Wissenstreppe (uns allen bestimmt bekannt) zeigt er dann, wie KissWin die Situation lösen wird.

Jetzt kommen einige Stichworte, die die aktuelle Situation illustrieren:

  • die Situation der nachwuchswissenschaftler hat sich im vergleich zu früher gebessert
  • dennoch fehlen nachwuchswissenschaftler, besonders in der Grundlagenforschung (hier weist Prof. Hennig darauf, dass Forscher in der grundlagenforschung benötigt werden, man sollte aber immer in der Forschung auf die Anwendung achten – das verwirrt mich etwas: anwendungsorientierte Grundlagenforschung?)
  • naturwissenschaftler dollten besser informiert werden (Jetzt kommt ja aber KissWin!)

In der Zusammenfassung legt Prof. Henning den Teilnehmern nah, wie nachgefragt Forschung ist und welche Möglichkeiten sich weltweit hieraus ergeben. Dann geht er noch mal auf die Plattform KissWin ein und kündigt (sehr dramatisch) ein, dass KissWin jetzt (endlich) online ist!

KissWin in Berlin – Start

Sternzeit 11:12 – Wir befinden uns auf der KissWin-Tagung in Berlin.

BCC Berlin
BCC Berlin

Der erste Vortragende ist Herr Michael Thielen. Er hält einen Vortrag zum Thema „Ist Deutschland attraktiv für Nachwuchswissenschaftler?“

Beim Zuhören fällt mir spontan die Kritik ein, die man für seine Seminararbeit nie und nimmer hören möchte: „Der Vortrag enthällt viel Neues und viel Gutes. Aber das Gute ist nicht neu und das Neue nicht gut.“ Und selbst bei der Rede des Bundespräsidenten zum Tag der Einheit habe ich mich mehr amüsiert. Aber es muss ja nicht immer Entertainment sein. Warten wir mal auf den nächsten Vortrag, auf den wir schon gespannt sind, da der Titel „Googelst Du noch oder forschst Du schon?“ einiges verspricht….