KissWin – „Homo Zappiens“ – Wie forscht die zukünftige Generation

Prof. Veen sichert sich die Aufmerksamkeit des Publikums durch bildhafte Beispiele und lustige Anekdoten. Er verwendet kaum Folien – er zeit uns Webseiten (z.B. Photosynth), Fotos und kurze Filmchen. Das zieht und alle lachen mit. Durch die kleinen Geschichten wirkt alles sehr greifbar und real – man zweifelt seine Aussagen kaum an. Der Vortrag ist auf jeden Fall interessant und gut. Bei mir bleibt aber der bekannte bittere Nachgeschmack der Digital natives Debatte: man kann das Thema nicht alleine auf Anekdoten und Einzelbeispielen aufziehen. Dafür sind die Konsequenzen diesen Aussagen zu weitreichend. Ich möchte endlich mal bei einem solchen Vortrag auch Statistiken sehen und Fakten – naja, das werden wir wohl sebst machen müssen ;-). Dennoch finde ich seine Schlüsse, die er für die Forschung zieht, sehr interessant und wichtig.

Prof. Wim Veen spricht von einer Genration, die die Welt ohne Internet nie gekannt hat (Digital Natives, Homo zappiens, Millenials). Die Kinder haben mit 5 schon Computerspiele gespilet, mit 11 das erste Handy bekommen. Prof. Veen malt sehr bildlich diese neue Genration auf, indem er deren Angewohnheiten beschreibt. Die „Homo Zappiens“ arbeiten selbstveständlich mit Technologien. Sie sind stark vernetzt und nutzen diese Netzwerke um auf deren Wissen zuzugreifen eher als sich selbst das Wissen anzueignen.

Als Prof. Veen feststellt, dass kaum jemand das Spiel „World of Warcraft“ kennt, zeigt er uns den Trailer (was alle natürlich sehr amüsant finden). Nach dem Trailer weist er darauf hin, dass es bei diesem Spiel eigentlich um Lösungsansätze geht – man muss ein Quest bewältigen und den richtigen Weg zu Lösung finden. Dann spricht er virtuelle Welte an, in denen man sich mittels Avatare eine virtuelle Identität beschaffen kann.

Prof. Veen findet, dass Massenmedien für ältere Menschen sind. Bei denen kann man nichts bestimmen – man muss abwarten und aktiv suchen. Das spricht die „Homo Zappiens“ nicht an – sie möchten bestimmen, wasnn sie was sehen, hören und tun wollen. Seiten, die die neue Generation ansprechen, erlauben den Nutzern die Kontrolle. Außerdem bieten sie aber auch Interaktionsmöglichkeiten. Communities spielen für Homo Zappiens eine wichtige Rolle.

Die kleinen Homo Zappiens können wohl nicht mehr „normale“ Medien benutzen. Dafür haben sie andere Fähigkeiten, zu Beispiel:

  • Ikonische Fähigkeit – die HZ schauen sich mit einem Blick eine Seite an und sind im Stande sehr schnell viele Informationen auf einen Blick aufzunehmen.
  • Milti-Tasking – die HZ können Ihre Aufmerksamkeit auf verschiedene Medien verteilen
  • Zapping – fie HZ können Wissen konstruieren aus nicht-linearen audio-visuellen und textuellen Quellen; sie lernen nicht linear – sie suchen aktiv nach Informationen

Was bedeutet das nur für die Forscher? Forschung basiert auf Externalisierung. Man muss Informationen teilen und in Community arbeiten. Die Community ist dabe „an extension of one-self“. Konkurrenzdenken passt hier nicht. Man muss bei der Forschung auch auf die Erkenntnisse anderer zugreiffen – die vorhandenen Informationen sammeln, aggregieren und daraus neue Erkenntnisse gewinnen. Informationen sollten daher nicht in großern Büchern, sondern in kleinen Einheiten zur Verfügung stehen.

The Human Frontier Science Program

Gleich beginnt der Workshop und die Folien zum Vortrag „Funding for international research collaboration and training in the life sciences“ von Guntram Bauer liegen bereits auf.

Der Vortrag soll einen kurzen Überblick über die Forschungsmöglichkeiten im Ausland bzw. Forschungsprogramme geben.

Die 3 Experten werden vorgestellt:

  • Dr. Birgit Klüsener (DAAD)
  • Christian Gast (Marie Curie-Maßnahmen der EU)
  • Dr. Barbara Schelten (Alexander von Humboldt-Stiftung)

Der Vortragende Guntram Bauer ist ausgefallen und so gibt es einen kurzen Überblick über die Folien von der Workshop-Moderatin.

Als nächstes folgt der Vortrag von Frau Dr. Klüsener vom DAAD. Zu Beginn stellt sie den Deutschen Akademischen Auslandsdienst vor und welche Verbreitung er weltweit hat.

Im Anschluss werden die Förderprogramme vorgestellt, beginnend mit den Programmen für Doktoranden. Gefördert werden Kurzstipendien, Jahresstipendien und Fach- & Sprachkurse. Die Kurzstipendien sind jederzeit beantragbar und haben meist eine Bearbeitungsfrist von nicht länger als 3 Monate. Für die Jahresstipendien gibt es feste Termine für Beantragung und Beginn des Aulandsaufenthaltes. In beiden Fällen muss das zu fördernde Projekt durch die Promotion begründet sein, z.B. wenn der Aufenthalt in einer Bibliothek einer ausländischen Universität notwendig ist.

Bei den Postdoktoranden-Programmen gestaltet es sich ähnlich. Es gibt auch hier Kurz- und Jahresstipendien. Die Förderung kann bereits in der Endphase der Promotion beantragt werden, dafür ist lediglich eine Bescheinigung des Doktorvaters notwendig, dass ein erfolgreicher Abschluss zu erwarten ist. Die Promotion muss mit sehr gut abgeschlossen sein. Die Finanzierung kann aber erst nach erfolgreichen Abschluss beginnen. Die Leistungen sind ab 1365 € + Zuschläge aufwärts und teilweise Altersabhängig. Eine altersmäßige Obergrenze für die Finanzierung gibt es aber nicht. Die Auswahlkriterien sind für die zu fördernden Anträge sind

  • Qualifikation (Promotionsergebnis) und Publikationen
  • Qualität & Durchführbarkeit des Forschungsvorhabens (dabei sollte ein Themenwechsel zum eigentlichen Promotionsthema erfolgen)

Zum Abschluss wurde das Sonderprogramm ICSI, welches für Informatiker (und verwandte Gebiete) relevant und erfolgversprechend ist, sowie das Netzwerk GAIN (German Academic International Network).

Aus den anschließenden Fragen ergaben sich noch zwei interessante Hinweise

  • Die Auswahlquote ist ungefähr 1:3.
  • Für das Gastinstitut, also die Forschungseinrichtung im Ausland, ist das Renommee beim Auswahlverfahren relevant.

Im nächsten Vortrag erläuterte Christian Gast die Marie Curie-Maßnahmen der EU. Dabei sein angemerkt, dass es (wie wahrscheinlich für EU-Programme zu erwarten) teilweise unübersichtlich wurde. Transparenz bzw. Verständlichkeit und EU-Programme sind zwei Dinge, die scheinbar nicht zusammen gehören.

Die Förderungsmaßnahmen sind auf die transnationale Mobilität und die individuelle Karriereentwicklung (mit Diversifikation der Forschungsrichtung) ausgerichtet. Doktoranden werden bis 4 Jahre nach der Graduierung und Postdoktoranden ab 4 Jahre nach Graduierung gefördert.

Vorgestellt wurde auch kurz das IEF (Intra European Fellowship) vorgestellt, welches Personengebunden (ähnlich zu bestimmten DFG-Förderungen) ist.

Die weiteren Hinweise haben sich darauf belaufen, dass

  • der Antrag plausibel sein muss,
  • Sprachkenntnisse in der Sprache des Gastlandes nicht Voraussetzung (aber evtl. hilfreich) sind und
  • die Anträge auf Englisch gestellt werden sollten (auch wenn sie grundsätzlich in jeder Sprache möglich sind).

Als Drittes kam dann Frau Dr. Barbara Sheldon an die Reihe, um Einblicke in die Forschungsförderung der Alexander von Humboldt-Stiftung zu geben. Als erstes stellt sie die Stiftung auf eine sehr sympathische Art vor. Gefördert werden durch die Stiftung Personen (keine Projekte) und es gibt eine lebenslange Fördermöglichkeit. Die Wahl des Forschungsvorhabens und Gastgeber ist frei, aber der Gastgeber muss/soll ehemaliger Humboldtianer sein. Der Gastgeber muss einen Beitrag zur Finanzierung leist, wobei die Höhe sehr unterschiedlich ist.

Die lebenslange Fördermöglichkeit wird durch die Instrumente der Förderung von

  • Postdoktoranden (bis 4 Jahre nach Promotion),
  • Nachwuchsgruppenleiter (bis 6 Jahre) und
  • erfahrene Wissenschaftler (bis 12 Jahre)

gefördert.

Zum Schluss wurde noch das Euraxess-Netzwerk vorgestellt, welches Informationen und Beratung für mobile Forscher bieten soll.

Die Bewilligungsquote bei der Humboldt-Förderung liegt derzeit bei ca. 30 %.

Forum: Karrierewege an der Hochschule

Etwa 120 Teilnehmer nahmen an dem Forum Teil. Etwa 10% waren Studierende, 70% Doktoranden und der Rest Post-Docs oder auch Professoren. Fast alle von den Doktoranden streben eine wissenschaftliche Karriere an (was ja nicht überraschend ist). Die Moderatoren, Prof. Klaus Wehrle und Prof. Wolf-Tilo Balke haben das Forum recht offen gestaltet. Klaus Wehrle kam bei mir rüber als ein sehr netter offener Mensch, der eine sehr optimistische Sicht auf alles hat. Diesen optimismus hat er auch versucht uns zu vermitteln (und ist bei mir gescheitert). Wolf-Tilo Balke hat sich realitätsnah gezeigt und hat wiederholt harte Wahrheiten angesprochen. Vom KissWin wurde ein Video vorbereitet, das anhand von fünf Personen verschiedene Karriere Wege gestaltet. Es wurde immer ein Beitrag gezeigt und danach wurde diskutiert.

Im Grunde gibt es nur einen Karriereweg: den Professor. Alternativen tun sich lansam auf (Lehr-Prof, Lecturer), diese existieren aber bisher nicht. Die Hochschulen befinden sich aber zurzeit im Umbruch, sodass es in der Zukunft auch neue Möglichkeiten geben kann. hier soll man sich auch selbst engagieren und gestalten (leider wurde nicht gesagt wie).

Folgende Themen wurden besprochen:

  • Auslandsaufenthalte
    Auslandsaufenthalte sind sehr förderlich – es geht sicher auch ohne, aber ein Auslandsaufenthalt wird einem immer als Bonus eingerechnet. Dabei sollte man 1-2 Jahre einplanen und auch versuche Kontakte zu knüpfen und Netzwerke aufzubauen. Es ist auch möglich Teile der karriere im Ausland zu bestreiten und dann nach Deutschland zurückkehren. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob man auch ohne Habilitation dann als Prof berufen werden kann – hängt wohl von der Fächerkultur.
  • Familie
    Da ein Großteil der anwesenden Frauen waren, wurde das Thema Familie sehr intensiv diskutiert – leider ohne Ergebnisse. Ja, es ist schwer als Frau mit Familie ins Ausland zu gehen. Ja, es ist schwer, sich an der geforderten Mobilität zu halten (vorbei es hier mittlerweile besser wird und mit Glück kommt man mit nur einem Umzug aus). „Es ist halt ein schwieriger Beruf und man muss versuchen es da mit der Familie irgendwie hinzukriegen“. Wie man das machen soll wurde nicht angesprochen. Man ging eher von dem klassischen Modell aus: Herr Professeor, hausfrau und kinder, die dann mit umziehen. Alternativen gibt es wenn man mit einem Stipendium gefördert wird (z.B. Emmy Noether-programm für Post-Docs).
  • Praxiserfahrungen
    Man kann nach der Promotion auch in die Praxis gehen. Mit den Praxiserfahrungen kann man dann auch FH-prof werden. Hierzu hatten aber nur wenige Anwesende Lust – eher alss Fall-back-position. Aber bestimmte Bereiche – z.B. Maschinenwesen – berufen nur Leute aus der Praxis. Man kann die kontakte zur praxis auch während der wissenschaftlichen Arbeit pflegen (Praxis-DA). Auch eine Habilitation neben dem Beruf (ähnlich wie die externe Promotion) ist auch möglich, allerdings recht schwer.
  • Netzwerke
    Wenn man eine Karriere an der Hochschule anstrebt sind Netzwerke das A und O. Für die eigentliche Berufung fast genau so wichtog, wie die Publikationen!

Zusammenfassend:

Wenn man ein Prof werden will, sollte man sich dass schon gut überlegen. Man musss auch mit sich selbst ehrlich sein. Ausgehend davon, dass nur die Besten genommen werden, sollte man sich realistisch zu den Besten zählen können. Es gibt mittlerweile gut Möglichkeiten zu Promovieren und auch zu Habilitieren/Juniorprofessur/Nachwuchsforschungsgruppe. Es gibt aber nicht mehr Professuren und praktisch keine Berufsmöglichkeiten im Mittelbau (es sein denn, man arbeitet mit 3-Jahresverträgen im Rahmen von Drittmittel-Projekten).

Meinung zu den KissWin-Vorträgen

Nachdem die erste Vortragssession fast vorbei ist und das Essen für die Snacks bereits bereitsteht, ist es Zeit für ein kurzes Stimmungsbild. Die Vorträge sind interessant und fokussieren auf wissenschaftliche Karrierewege, die Situation und Möglichkeiten des wissenschaftlichen Nachwuchs usw.

Problematisch gestaltet sich, dass zwar immer wieder auf die Chancen und Bedarf für exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchs hingewiesen wird, aber keine Aussage darüber getroffen wird, was einen exzellenten Wissenschaftler ausmacht. So ist schwer einzuschätzen, welche Möglichkeiten für die eigene Situation bestehen.

Auch bieten die Ausführungen keinerlei konkrete Anregungen, wie man denn eigentlich forschen soll, sich in der Forschung vernetzen kann oder was man macht, wenn man nicht bereits seit längerem sein Leben auf das Sammeln von Referenzen ausgerichtet hat.

Die Vorträge sind somit stärker als Überblick und Motivation für Studierende oder Hochschulprofessionells und weniger als Handlungshinweise für aktuell Promovierende zu verstehen.

KissWin – Von der Wissenschaft in die Wirtschaft und zurück

Prof. Ovtcharova ist der Meinung, dass der Weg in die Wirtschaft und zurück in die Wissenschaft ein gutes Modell für die Zukunft ist. Sie sprichtTrends in vier Bereichen an:

  • Individuum: subjektive, emotionale Wahrnehmung
  • Gesemmschaft: Interesse an neuen Medien
  • Wissenschaft: interdisziplinjäre Forschung in Gruppe
  • Wirtschaft: Verschmelzung von Produkten und Dienstleistungen, kürzere Innovationszyklen

Entsprechend diesen Trends bewegen wir uns also in Richtung innovativer Wissensgesellschaft (so hätte es such die EU gerne – Lissabon lässt grüßen). Das Management der steigenden Komplexität ist dabei die Herausforderung für die Zukunft.

Prof. Ovtcharova präsentiert ein Kontinuum von Werkzeugen, die die Wissenschaft benuzt:

  • Methoden (reichen nicht aus)
  • Technologien (hier ist es wichtig, sich der Praxis zuzuwenden)

Prof. Ovtcharova glaubt, dass Wirtschaft und Wissenschaft verstärkt zusammenarbeiten sollten (dabei redet sie vor allem über Ingenieurwissenschaften). Hierzu gehört auch eine Wandlung in der Qualifikation der neune Arbeitskräfte, vor allem auch im Bezug auf neue Berufsbilder. Dabei müssen die einzelnen Individuem ihre eigene Wege finden können, was für die Flexibilisierung der Qualifikation spricht.

KissWin – Nachwuchsförderung an außeruniversitären Forschungseinrichtungen

Prof. Jäckle stellt die Max-Plack-Gesellschaft (MPG) vor und diskutiert an deren Beispiel die Möglichkeiten der außeruniversitären Forschung. Er präsentiert zuerst wichtige Daten, die demostrieren sollen, wie erfolgreich und wichtig die MPG ist. Nach einer weile werde ich jedoch etwas ungeduldig – bisher habe ich nur recht wenig über die Nachwuchswissenschaftler bei der MPG gehört und der Vortrag heißt schließlich nicht „Die Huldigung der Max-Planck-Gesellschaft“. Nach und nach kommt er aber dann doch dazu, über die Möglichkeiten der Nachwuchswissenschaftler bei der MPG, obwohl immernoch mit einem Hauch Werbeveranstaltung. Was mich auch etwas irritiert sind die Folien in englischer Sprache. Dies führt auch immer wieder dazu, dass Prof. Jäckle keine deutschen Begriffe findet und einfach die englischen von den Folien abliest.

Die MPG konzentriert sich auf Grundlagenforschung. Die Max-Planck-Innovation, als 100% tochtergesellschaft der MPG kümmert sich dann um die Vermarktung der Innovationen (z.B. auch die Patente) der Innovationen. Die Max-Planck-Institute (MPI) sind vollständig autonom. Sie werden alle zwei Jahre bewertet und beraten von der zentralen MPG. Die MPG bietet auch eigen spezielle PhD-Programme, die in Zusammenarbeit mit den Universitäten angeboten werden. Diese Programme werden international nachgefragt – über die Hlfte der Teilnehmer stammt nicht aus Deutschland. Dabei fördert MPG die internationale Beteiligung.

Die MPG fördert auch kleine selbständige Forschungsgruppen, bei denen die Nachwuchswissenschaftler eigenen Projekte beantragen und selbststängig inerhalb von 5 Jahren durchführen. Dabei werde auch wissenschaftliche Themen, die nicht unbedingt dem Man-Stream folgen, explizit gefördert. Allerdings stelle ich mir die Frage, ob man als Wirtschaftsinformatiker bei der MPG überhaupt relevant ist. Wenn man sich die Forschungsgebiete der MPG anschaut, findet man keinen konreten Bereich, wo man die WINFs ansiedeln könnte (natürlich kann es Nischen in den Einzelnen Gebieten geben).

KissWin – Wie geht es dem Wissenschaftlichen Nachwuchs an den Universitäten?

Dies war im großen und ganzen ein guter Vortreg, in dem die Probleme offensiv angesprochen wurde und auch einige Lösungsansätze vorgestellt wurden. Leider sind dies recht allgemen Lösungen, die man nur begrenzt für dich verwerten kann, d.h. wenn man schon mitten in der Promotion steckt. Natürlich ist es dennoch wichtig langfristige, großflächige Lösungen zu suchen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob diese Tagung die richtige Platform, mit der richtigen Zielgruppe ist.

Prof. Müller steigt in den Vortrag mit recht kritischen Thesen ein um Diskussion anzurechen:

In keinem anderen Land wird von den Promovierenden so emphatisch gefordert, dass sie mit ihrer Arbeit einen eigenständigen Beitrag zum wissenschaftlichen Fortschritt leisten.

Aber: Die Gegebenheiten an den deutschen Universitäten werden diesem Anspruch nicht (nur bedingt) gerecht.

Prof. Müller nennt folgende Probleme:

Die soziale lage der NW ein hohes Niveau von Unsicherheit. Bei weitem nicht alle Promovierende haben eine Stelle an einer Universität/Institution. viele müssen die Promotion selbst finanzieren. dabei gibt es starke Unterschiede zwischen den Disziplinen (insbesondere Geisteswissenschaftler stehen schlecht da).

Eine Promotion dauert im Schnitt 4-5 Jahre, weil die Promovenden mit anderweitiger Arbeit überlastet sind. In diesem Zusammenhang prangert Prof. Müller auch die mangelde Leistung von einigen Professoren an („Die Mehrheit der Professoren betreuen Ordentlich, das verspreche ich Ihnen!“) Diese Faktoren führen zu einer Abbrecherquote von ca. 50%.

Insbesondere Frauen werden von den Schwierigkeiten betroffen, was zu einer Unterrepresentation führt. Der Frauenanteil steigt auch nur langsam ein. Im Bereich der Stipendien jedoch ist der Frauenanteil sehr hoch – um so höher, je transparenter das Auswahlverfahren ist. Das scheint darauf hinzudeuten, dass wenn ein einzelner Professor auswählen muss, dieser verstärk auf männliche Kandidaten zurückgreift.

Um die Situation zu verbessern, müssen jetzt Ansätze gefunden werden – hierzu fehlt aber bisher der politische Wille. Folgende Ansätze gibt es schon:

  • Graduiertenschulen, speziell für Promovenden (Curriculum, Stipendien, Betreuung
  • Betreuungskontrakte über gegenseitige Verpflichtungen
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf

KissWin – Googelst du noch oder forschst du schon?

Der Vortrag wird von Prof. Henning gehalten. Ich gebe zu, er hat mich etwas enttäuscht. Ich have gehofft, dass es sich hierbei um Anregungen zur Forschung (als Gegensatz zu einer reinen Recherche) handelt. Der Vortrag ist aber hauptsächlich eine Werbeveranstaltung für den KissWin-Portal.

Prof. Henning redet nicht über jetztund hsondern er lenkt die Aufmerksamkeit auf die Zukunft (2020). Er weist auf die demographische Änderungen hin, auf die Bedeutung des Wissens (Infirmations- bzw. Wissensgesellschaft) und die Änderungen in den Weltmächten (zukünftige Player: China, indiean Süd/Nord Amerika).

Laut Prof. Henning kann man in der Weltgeschichte wachsende Spanne zwischen Wahrnehmungsfähigkeit und Handlungsfähigheit. Hieraus folgt für die Zukunft höhere Fluktiation auf dem Arbeitsmarkt und daher auch notwendige Flexibilität der Arbeitnehmer. Dies Betrifft sowohl die Aneignung neus Wissens und neuer Kompetenzen, als auch für die Arbeitsplatzmobilität.

Nach dieser Anleitung – die uns wahrscheinlich etwas Angst machen sollte – kommt es endlich zum Thema Google. Prof. Henning zeigt, dass im Google zwar Informationen vorhanden sind, diese aber ungeordnet zur Verfügung stehen (klassische Informationsüberflutung). Anhand der Wissenstreppe (uns allen bestimmt bekannt) zeigt er dann, wie KissWin die Situation lösen wird.

Jetzt kommen einige Stichworte, die die aktuelle Situation illustrieren:

  • die Situation der nachwuchswissenschaftler hat sich im vergleich zu früher gebessert
  • dennoch fehlen nachwuchswissenschaftler, besonders in der Grundlagenforschung (hier weist Prof. Hennig darauf, dass Forscher in der grundlagenforschung benötigt werden, man sollte aber immer in der Forschung auf die Anwendung achten – das verwirrt mich etwas: anwendungsorientierte Grundlagenforschung?)
  • naturwissenschaftler dollten besser informiert werden (Jetzt kommt ja aber KissWin!)

In der Zusammenfassung legt Prof. Henning den Teilnehmern nah, wie nachgefragt Forschung ist und welche Möglichkeiten sich weltweit hieraus ergeben. Dann geht er noch mal auf die Plattform KissWin ein und kündigt (sehr dramatisch) ein, dass KissWin jetzt (endlich) online ist!

KissWin in Berlin – Start

Sternzeit 11:12 – Wir befinden uns auf der KissWin-Tagung in Berlin.

BCC Berlin
BCC Berlin

Der erste Vortragende ist Herr Michael Thielen. Er hält einen Vortrag zum Thema „Ist Deutschland attraktiv für Nachwuchswissenschaftler?“

Beim Zuhören fällt mir spontan die Kritik ein, die man für seine Seminararbeit nie und nimmer hören möchte: „Der Vortrag enthällt viel Neues und viel Gutes. Aber das Gute ist nicht neu und das Neue nicht gut.“ Und selbst bei der Rede des Bundespräsidenten zum Tag der Einheit habe ich mich mehr amüsiert. Aber es muss ja nicht immer Entertainment sein. Warten wir mal auf den nächsten Vortrag, auf den wir schon gespannt sind, da der Titel „Googelst Du noch oder forschst Du schon?“ einiges verspricht….